Buchrezension Bild: pixabay by congerdesign

Rezension: Forever 21 – Zwischen uns die Zeit (Band 1)

Zu viel drumherum und Wiederholungen ohne feinfühliger Tiefe. Idee und Anfang war vielversprechend, am Ende nur noch enttäuschend.

Cover Lilly Crow: "Forever 21" © beBEYOND by Bastei Entertainment 2017

Mit diesem Buch habe ich an meiner ersten » Leserunde bei lesejury.de teilgenommen. Auf der Plattform » NetGalley.de darf ich dieses Buch ebenfalls rezensieren. Von der Leseprobe war ich sehr angetan. Sie vermittelte eine spannende und einfühlsame Geschichte mit einer sehr interessanten Idee. Aber leider konnte das gesamte Buch nicht das halten, was die ersten Kapitel versprochen haben.

Das Cover:

Mit dem magenta-türkis Verlauf mit durchscheinenden Wolken wirkt es schon arg kitschig, aber passend für eine Liebesgeschichte. Das Bild zeigt zwei sich beinahe küssende Münder – also kurz davor, so als möchte uns das Motiv sagen, dass dies auch unseren Protagonisten so in diesem Roman ergehen wird? Die Schrift finde ich gut gesetzt, modern, klassisch und dezent. Ich mag magere Sans-Serifen, die auf dem Cover einen Akzent bilden und nicht dominieren. Trotzdem platziert sich die 21 transparent aber präsent als stilistisches Element auf der unteren Hälfte. Für eine romantische Story ein typisches aber auch treffendes Cover.

Die Handlung:

Durch eine große Schuld, die Ava auf sich geladen hat, muss sie als Strafe nicht nur mit ihrer Seele in andere Körper springen, sondern reist damit auch in der Zeit hin und her. Um ihre Tat zu sühnen, ist sie gezwungen in ihrem Gastkörper zwei zueinander gehörende Seelen – zwei sich liebende Menschen – zusammenführen. Für diese Aufgabe hat sie nur wenig Zeit, da ihr Peiniger sie dazu permanent mit Schmerzen antreibt und bestraft, wenn sie sich von der Erfüllung ihrer Aufgabe entfernt. Auf einer ihrer Missionen lernt sie zufällig Kyran kennen und beide spüren eine besondere Verbindung zwischen sich.

Meine Meinung:

Die Autorin nimmt uns in ihrer Geschichte mit in verschiedene Epochen in verschiedenen Ländern. So besuchen wir nicht nur England im 21. Jahrhundert, sondern auch Deutschland im Jahr 1907 oder auch Frankreich am Königshof im 18. Jahrhundert. Toll finde ich den Einstieg, da wir Ava beim Erwachen in einem neuen Körper begleiten, und sie sich erst mal orientieren muss. Das arme von Schmerzen gepeinigte Mädchen muss sich jedesmal in der neuen Situation plötzlich zurecht finden und begeht natürlich auch einige Fauxpas, die sie immer wieder in leichte Schwierigkeiten bringt. Ich empfinde Ava zunächst als toughes Mädchen, die nicht auf den Kopf gefallen ist. Sie versucht das Beste aus der Situation zu machen um ihre Aufgabe zu erfüllen.

Leider passieren diese Sprünge in die Gastkörper immer ziemlich schnell, darunter leidet die Möglichkeit eine tiefere Beziehung zu den Personen aufbauen zu können. Durch immer mehr Sprünge tauchen auch immer mehr Figuren auf, die nur oberflächlich angerissen werden können. Es wirkt nur noch gehetzt und substanzlos. Das Feingefühl für die Situation geht verloren und kann nicht mehr aufgeholt werden. Die Protagonisten Ava und Kyran irren in ihrer Umgebung herum und die Autorin hält sich dabei viel zu sehr mit der Beschreibung der Umstände auf, ohne tiefere Bewegung in die Gefühlswelt der beiden einzuhauchen. Ich konnte weder zu Ava noch zu Kyran wirklich eine tiefere Beziehung aufbauen und Vieles war mir einfach dann zu langatmig. Die letzten 30 % habe ich zeilenweise nur noch übersprungen, dabei habe ich aber nicht das Gefühl, dass ich was verpasst hätte.

Die zunächst sehr kompliziert klingenden Aufgaben, die Umstände der sich zu findenden Liebenden, klären sich dann auch plötzlich – oh Wunder – meist durch eine einfache Fügung. Das ist mir zu flach und lässt mich unzufrieden zurück. Es gibt keine Überraschungsmomente, keine Plottwists. Immer wieder tauchen abgeklatschte Zufälle auf, die bei den Haaren herbeigezogen wirken. Auch erkenne ich keine Verbindung zwischen den vielen Figuren, den Aufgaben und der eigentlichen Geschichte.

Und so plätschert die Handlung vor sich hin ohne dass ich wirklich einen Spannungsaufbau oder Handlungsstrang erkennen kann. Viele Fragen werden aufgeworfen und bleiben unbeantwortet, oder ohne mir zumindest ein paar weitere Andeutungen zu geben. Die Autorin hat die Chance, eine spannende Story zu schreiben – die durch Verwicklungen und Verknüpfungen der Personen und Geschehnissen in den verschiedenen Zeiten hätte entstehen können – einfach nicht ergriffen, und uns eine Aneinanderreihung von netten aber wenig überzeugenden Geschichten geboten. Außerdem tauchen hin und wieder Ungereimtheiten in den Zeitangaben auf, die einem das Gefühl geben, dass der Plot nicht mit genügend Hingabe ausgearbeitet wurde.

Der Sprachstil ist flott und flüssig, in der 3. Person Präteritum erzählt und die Perspektive wechselt zwischen Ava und Kyran. Lilly Crow beschreibt die Situationen sehr bildreich und wortstark. Es gibt ein paar sehr schöne und gefühlvolle Momente, die mich auch sehr berührt haben, aber die hektische Oberflächlichkeit überwiegt und zerstört für mich das ganze Gefüge.

Und das Ende? Ein krasser Cliffhanger! Das Buch bricht mitten in der Handlung ab, ohne für sich eine Gesamtheit zu bilden. Aber es reizt mich auch nicht wissen zu wollen, wie es weitergeht. Es hat mich nicht mitgerissen und ich bin vom Buch insgesamt enttäuscht.

Cover Lilly Crow: "Forever 21" © beBEYOND by Bastei Entertainment 2017

Copyright: © 2017 by Bastei Lübbe AG, Köln
Umschlaggestaltung: Sandra Taufer, München und Verwendung von Motiven von shutterstock/coka, shutterstock/Aleshyn_Adnrei und shutterstock/Comaniciu Dan

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  • Lilly Crow (Autor), Sandra Taufer (Illustration)
  • Erscheinungsdatum: 16. März 2016
  • kindle Edition: 288 Seiten (der gedruckten Ausgabe)
  • Verlag: beBEYOND by Bastei Entertainment
  • ASIN: B01N2H3G3H
  • Genre: Fantasy, Zeitreisen
  • empfohlenes Alter: ab 14

» siehe auch meine Rezension auf lovelybooks.de


Die Rezensionen der Leserunden-Teilnehmer:

6 Gedanken zu „Rezension: Forever 21 – Zwischen uns die Zeit (Band 1)“

  1. Hallo
    Ich bin gerade noch ein bisschen überrascht, dass du meine Rezension hier verlinkt hast o.o
    Danke! Ist auf jeden Fall eine tolle Idee, vielleicht sollte ich damit auch anfangen…
    LG, Nadine 😀

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