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Rezension: Ava

Schade – Feinfühlige Idee ohne große Gefühlsachterbahn

Cover VeraKerick: "Ava" © 2017 Tinte & Feder Verlag
Cover Vera Kerick: „Ava“ © 2017 Tinte & Feder Verlag (Amazon Publishing Deutschland)

Dieses Rezensionsexemplar erhielt ich von Amazon Publishing Deutschland über Netgalley.de. Der Klappentext hatte mich sehr angesprochen und ich habe mich sehr über die Möglichkeit, dieses Buch lesen zu dürfen, gefreut. Dafür möchte ich mich beim Verlag sehr bedanken.

Coverbild:
Sehr schlicht und dezent ist das Cover. Es gefällt mir gut. Der einfarbige graue Hintergrund mit den einfachen Blumen und Blütenblättern ist schlicht. In der Mitte wird der Buchtitel „Ava“, der Name der Protagonistin, nüchtern in einer Serifenlosen Schrift angezeigt. Es ist schnörkellos aber nett ein bisschen wie das gesamte Buch.

Handlung:
Nach einer Operation kann Ava, die in der Kindheit durch eine Krankheit ertaubt ist, wieder hören. Sie ist in die große Stadt gezogen und in ihrem Beruf als Universität-Bibliothekarin recht erfolgreich. Nun möchte sie ihre große Jugendliebe Peter wieder sehen und trifft ihn auf einem Besuch bei ihrer Mutter in ihrem Heimatdorf. Doch ihre Schwärmerei wird durch ein einschneidendes Familiengeheimnis getrübt. Ava begibt sich in ein Karussell von Lügen, Geheimnissen und Gefühlen, immer auf der Suche nach der Erfüllung ihrer wahren Liebe.

Buchlayout (eBook):
Das gesamte Buch ist in 4 Teilen eingeteilt. Dabei sind sie aber sinngemäß nicht voneinander getrennt, so dass sich mir diese Einteilung nicht erschließt. Die einzelnen Kapitel sind angenehm in der Länge, Rückblenden und Perspektivenwechsel werden leider kaum optisch voneinander getrennt. Als Titel eines Kapitels erscheint nur die Zahl. Insgesamt ist das eBook einfach gehalten.

Idee / Plot:
Die Autorin greift ein sehr feinfühliges Thema auf, das jedem von uns bestimmt in dieser oder ähnlicher Form schon begegnet ist: Wie viel darf und soll man den Menschen, die man liebt, an Wahrheit sagen, wann ist es berechtigt zu Lügen? Haben diese Menschen nicht immer das Anrecht auf Wahrheit? Wie egoistisch darf man sein, auf die Gefahr hin die Lieben dadurch zu verletzen? Diese Idee gefällt mir sehr gut und regt einen zum Nachdenken an. Gesunde Beziehungen bauen auf Kommunikation, Verständnis und Ehrlichkeit.

Handlungsaufbau / Spannungsbogen:
Der Handlungsaufbau ist sehr durchwachsen und es gibt kaum Spannungsmomente. Die Erzählung plätschert so dahin, obwohl es sehr viele Zeitsprünge und Perspektivenwechsel gibt. Es hätte ein spannendes Zusammenspiel werden können, mich verwirrt es aber eher. Trotzdem ist die gesamte Handlung vorhersehbar. Es gibt einen Plottwist ziemlich am Anfang, danach geht es aber eintönig weiter. Einen richtigen Höhepunkt kann ich nicht erkennen und das Ende war zu erwarten.

Szenerie / Setting:
Von der Umgebung und den Personen bekomme ich leider nur sehr wenig mit. Es wird wenig bildlich beschrieben und ich kann sie mir kaum vorstellen. Die große Stadt, in der Ava lebt, wird nicht namentlich genannt. So dass man nicht einmal weiß, in welchem Teil von Deutschland sie sich befindet, um sich ein gewisses Bild vom Umfeld machen zu können. Genannt wird nur München in Bayern, wobei die dort lebenden Personen ziemlich stereotypisch dargestellt werden. Dornfeld, Avas Heimatdorf, liegt an der Ostsee.

Emotionen / Protagonisten:
Es ist unheimlich schwer einen Zugang zu Ava und Peter zu finden. Ich kann auch nicht mal besondere Eigenschaften der Personen hervorheben, weil ich sie mir gar nicht richtig vorstellen kann.

Ava ist mit 8 Jahren ertaubt und musste in ein spezielles Internat. Sie lernte mit der Behinderung umzugehen und hat die Liebe zu den Büchern entdeckt. Ihre Jugendliebe Peter hat sie nie vergessen und es ist für sie ein richtiger Zwang ihn wieder zu sehen.

Ihre beste Freundin Helen, die sie im Internat kennengelernt hat, gibt ihr den meisten Halt. Helen ist nach Bayern gezogen und bekommt mit ihrem Ehemann Leopold ein Kind.

Peter aus ihrem Heimatdorf, scheint ein sehr netter Junge zu sein, und lernt Ava auf einem der traditionellen Dornfelder Sommerfeste kennen. Danach verschwindet er aus ihrem Leben.

Avas Mutter ist nach dem Tod ihres Mannes alleine und lebt nicht mehr im gleichen Dorf. Zu Ava hat sie zunächst ein sehr inniges Verhältnis, das durch einen Streit sehr getrübt wird.

Zu erwähnen sind noch David und Konstantin. David spielt nur eine periphere Rolle, bekommt aber sehr viel Raum, genauso wie Konstantin. Es gibt weitere Personen die mehr oder weniger im Roman vorkommen, die man meines Erachtens etwas mehr zurück nehmen hätte können, da sie dem Handlungsstrang nicht wirklich dienlich sind.

Sprache / Schreibstil:
Die Sprache ist ausgereift und gut geschrieben, aber viel zu nüchtern und emotionslos. Zunächst ist die Geschichte als personaler Erzähler aus Avas Perspektive dargestellt. Dann gibt es plötzlich einen Wechsel zwischen Ava und Peter. Teilweise hüpft man auch in wenigen Sätzen in den auktorialen Erzähler.
Sehr viele Nebengeschichten werden über das ganze Buch hinweg aneinandergereiht aufgezählt, ohne einen tieferen Einblick in die Gefühlswelt zu bekommen. Es gibt so gut wie keine Metaphern, keine bildliche Ausschmückung.

Meine Meinung:
Der Aufbau des Romans finde ich nicht so glücklich. Im ersten Teil gibt es einen häufigen Wechsel zwischen Vergangenheit und Gegenwart. Dann eine ganze Weile nicht. Die Rückblenden in Avas Jugend kommen gar nicht mehr vor, dafür dann Rückblenden in die nähere Vergangenheit, und plötzlich wechselt die Erzählperspektive zwischen Ava und Peter. Da ist das Konzept des ganzen Buches meines Erachtens nicht ganz geglückt.

Vor allem beim Perspektivenwechsel fehlt mir ein optischer Anhaltspunkt, um wessen Perspektive es sich gerade handelt. Man braucht erst mal 2-3 Sätze – die man auch mehrmals lesen muss – bis man begriffen hat, welche Perspektive es gerade ist. Da hätte man ruhig eben den Namen drüber schreiben, oder tatsächlich jedes Kapitel nur in einer Perspektive erzählen lassen können. Ebenfalls sind mir die Zeitsprünge dazwischen zu heftig und man muss sich mühselig zusammenreimen, wie viel Zeit vergangen ist, wann und wo man sich gerade befindet.

Sehr schade finde ich die Oberflächlichkeit und Nüchternheit, mit der diese Geschichte erzählt wird. Erzählerisch ist es mir zu mau, kein Prickeln, keine Gefühle, die unter die Haut gehen. Es wird viel erzählt wie etwas gemacht wird, also Handlungen aneinandergereiht, aber ich weiß nicht einmal wie die Personen aussehen, sich fühlen, wie es riecht, wie was schmeckt… Da fehlt mir die bildliche Ausschmückung um mehr Bezug dazu zu bekommen und es selber nachempfinden zu können. Und deswegen ist es mir zu oberflächlich.

Viele Verhaltensweisen und Handlungen der Personen kann ich so auch nicht nachvollziehen, sie bleiben mir einfach verschlossen. Und die meines Erachtens sehr wichtigen Stellen in dem Buch werden in dem ebenso eintönigen plänkelhaften Stil beschrieben. Eigentlich große Gefühlszenen werden so nebenbei in einer halben Seite abgehandelt. Hier hätte für mich das Kopfkino anspringen müssen, werde aber schnell enttäuscht, und dann wird munter eintönig weiter geplappert ohne bei mir einen tieferen Eindruck zu hinterlassen.

Cover VeraKerick: "Ava" © 2017 Tinte & Feder Verlag
Cover Vera Kerick: „Ava“ © 2017 Tinte & Feder Verlag (Amazon Publishing Deutschland)

Copyright: © 2017 Tinte & Feder (Amazon Publishing Deutschland)
Umschlaggestaltung: semper smile, München
Umschlagmotiv: © Polina Katrich / Shutterstock; © almondtartlet / Shutterstock
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  • Vera Kerick (Autor), semper smile München (Illustration)
  • eBook: 188 Seiten (2351 KB)
  • Erscheinungsdatum: 14.03.2017
  • Verlag: Tinte & Feder (Amazon Publishing Deutschland)
  • ASIN: B01MAZ41J8
  • Genre: Liebesroman, Gegenwartsliteratur

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2 Gedanken zu „Rezension: Ava“

    1. Ach Du süße! Das wird es bestimmt bald geben! Am 20. Mai kommt ja FederLeicht 5 von Marah Woolf, Gerade lese ich „Wer weiß schon, wie man liebe schreibt“ von Kristina Günack, sehr nett. Und auf meinem Tisch neben mir liegt „Stormheart“ von Cora Carmack… Na das wird schon.

      Aber weißt Du, man muss auch mal solche Bücher lesen, um auch immer wieder mal einen Vergleich ziehen zu können. Daran merkt man auch, was einem an diesem oder jenem Buch gut gefällt, wenn man das an einem anderen Buch vermisst. das erweitert nur den Horizont!

      Aber es so süß von Dir! Danke Dir meine Liebe!

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