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Rezension: Die Nacht der tausend Farben – Tödliche Elemente (Band 1)

Überraschend und spannend – aber mit einigen Stolpersteinen

Claudia Rehm: "Die Nacht der tausend Farben - Tödliche Elemente" (Band 1) @ 2016 Claudia Rehm
Claudia Rehm: „Die Nacht der tausend Farben – Tödliche Elemente“ (Band 1) @ 2016 Claudia Rehm

Dieses Buch lag schon eine ganze Weile auf meinem SuB und endlich hatte ich es zur Hand genommen. Von der Autorin Claudia Rehm hatte ich bisher noch nichts gelesen, was mich natürlich dann immer besonders reizt und es immer sehr spannend macht.

Coverbild
Das Cover gefällt mir ganz gut. Hier merkt ma, dass eine professionelle Designerin am Werk war. Auch wenn ein Frauengesicht abgebildert ist, es ist nicht so dominant und fügt sich farblich harmonisch in das ganze Ensemble ein. Die Schrift ist ordentlich gesetzt und wird von einem Ornamentrahmen umkringelt. Deutlich zu erkennen ist hier die vorherrschende Farbe Rot und Feuerzungen, was auch für die Geschichte von Bedeutung ist.

Handlung
In der Magierwelt verwandeln die jugendlichen Formwandler sich während der Zeremonie „Die Nacht der tausend Farben“ zum ersten mal in ihre bis dahin unbekannte tierische Gestalt. Doch bei Emma geht etwas schief und plötzlich bangt das arme Mädchen um ihr Leben. Sie muss flüchten und finde wiedererwartend Zuspruch in der Welt der schwarzen Magier. Doch auch dort ist sie Gefahren ausgesetzt und begreift, dass viel höhere Macht im Spiel ist. Emma wird bewusst, dass sie weder auf der Seite der schwarzen noch der weißen Magier stehen kann. Gemeinsam mit ihren Verbündeten muss sie beide Welten retten und dafür ihr eigenes Leben mehrfach aufs Spiel setzen.

Buchlayout / ebook
Insgesamt wurde das ebook sehr simpel gehalten, was ich allerdings sehr schade finde. Die Kapitelüberschriften beschränken sich auf „Kapitel“ und die entsprechende Nummer. Auch die eingesetzt Schrift ist eher langweilig. Dazu kommt noch, dass die Kapitel nich auf einer neuen Seite beginnen sondern mitten in der Seite platziert sind, und das stört mich irgendwie. Trotzdem teilen die 23 Kapitel die 468 Seiten in angenehme Länge ein.

Idee / Plot
Die Idee einer Magierwelt und Formwandler ist natürlich nicht neu. Hier aber gibt es nur die Welt der Formwandler, die in eine weiße und eine schwarze Magierwelt eingeteilt ist. Interessant allerdings ist, dass die schwarze Welt eigentlich ein Produkt aus der rassenfeindlichen Lebensweise der weißen Welt ist. Wird ein junger Formwandler in die Gestalt von „niederen Tieren“ wie zum Beispiel Ratten, Raben oder Wölfe, so werden sie von ihren Familien und Freunden gedemütigt, gehasst und verstoßen. Ihnen bleibt nichts anderes übrig als sich von der Lebensweise der Weißen abzuwenden und Zuflucht in die Welt der schwarzen Magie zu flüchten.

Emotionen / Protagonisten
Die junge Formwandlerin Emma ist in ihren Handlungen oft unüberlegt. Manchmal konnte ich nur mit dem Kopf schütteln, warum sie nicht auf Harris hört und immer so extrem expulsiv sein muss. Dadurch macht sie sich natürlich keine Freunde. Dann gibt es aber auch immer wieder die besonnen und feinen Momente. Trotzdem finde ich sie tough und forsch, und gefällt mir sehr als Protagonistin.

Harris ist für mich nicht wirklich greifbar. Er hätte mehr Form haben können. Ich war sehr geschockt, als er sich gegen Emma gestellt hat. Eigentlich kann ich nicht nachvollziehen, was Emma an Harris findet, das kam mir einfach zu wenig rüber. Genauso wenig verstehe ich, warum Harris Emma so außergewöhnlich findet. Die feinen gefühlvollen Momente waren sehr kurz und für mich viel zu selten und zu wenig intensiv. Trotzdem ist das Ende sehr romantisch und besänftigt mich ein bisschen.

Dafür ist mir Caven viel präsenter und hat mehr Konturen. Er ist authentischer und bietet Emma zwar auch die Stirn, weiß aber instinktiv, dass Emma das Richtige vor hat. Mir gefällt es, wie sich die beiden so allmählich zusammenraufen und am Schluß doch sehr gute Freunde werden.

Emmas Bruder Robin ist im Showdown nicht selber mit in den Kampf gezogen, sondern hat nur sein Einhorn als Materialspende gegeben. Ihn hätte ich gerne mit Emma Seite an Seite kämpfen gesehen. Obwohl er als Einhorn wohl sagenumwobene Kräfte haben soll. Anfangs ist er auch sehr stark, und hilft seiner kleinen Schwester selbstlos. Schade.

Handlungsaufbau / Spannungsbogen
Hervorzuheben aber ist der Handlungsaufbau und der Spannungsbogen. Kaum eingestiegen in die Geschichte, die schon gleich mit der missglückten Zeremonie losgeht, hat man kaum Zeit zum Verschnaufen. Es gibt keine Längen. Emma und ihre Verbündeten hechten atemlos von einem Spannungsbogen zum nächsten, bis es dann schließlich in einem sehr fulminanten Showdown mündet, das die Handlung in diesem Buch auch abschließt. Wer sich mitreißen lässt, wird hier eine eine absolute page-turning Garantie haben! Mir hat es Spaß gemacht, ständig wird die Spannung durch viele Wendungen angestachelt. Aber dennoch sind bei mir einige Sachen hängen geblieben, die den Gesamteindruck des Buches trügen:

Sprache / Schreibstil
Was aber meine Euphorie gegenüber des Spannungsbogen gleich wieder eindämmt, ist der oftmals etwas unglückliche Sprachstil. Im Grunde ist die Sprache schön bildhaft und die Autorin bemüht sich wirklich um einen lebendigen Stil und abwechslungsreiche Sprache. Aber leider gibt es sehr viele, oft wiederkehrende, sprachliche Stolpersteine. So werden ganz oft Wörter alleine in einem Absatz wiederholt. Oft werden auch Umschreibungen wiederholt, die an dieser Stelle dann keinen Sinn machen. So habe ich im gesamten Buch gefühlte 100 mal gelesen, welche Haarfarbe oder Augenfarbe derjenige gerade hat. Das mag an Stellen passen, wenn zum Beispiel stechend grüne Augen einen intensiv anblicken, aber nicht wenn diese stechend grünen Augen gerade eine Treppe hochgehen. Da gibt es leider mehrere solche Stellen, die mich immer wieder stolpern ließen. Ich habe das Gefühl, dass Claudia Rehm sprachlich sich sehr viel Mühe gegeben hat, und hat dabei auch ganz tolle Beschreibungen hervorgebracht:

Die Liebe war dumm genug selbstlos und großzügig zu sein, während das Leben gierig und egoistisch war. Im Kampf der Liebe gegen das Leben, besonders wenn es nicht um das eigene Leben ging, konnte es immer nur einen Sieger geben, und Emma wusste, wer er war.“

Claudia Rehm „Die Nacht der Tausend Farben – Tödliche Elemente“ Pos. 3565 (© 2016 Claudia Rehm)

Teilweise werden dann aber doch zu oft auch Adjektive und Adverbien gesetzt, die den Text in die Länge treiben, aber an der Stelle einfach ein „Zu viel des Guten“ sind.

Szenerie / Setting
Das Setting ist leider auch viel zu kurz umrissen. Gerade in der Welt der schwarzen Magier bleibt vieles im Unklaren. Essen die Magier überhaupt? Gibt es dort Duschen? Emma hat in der ganzen Geschichte sich kein einziges mal gewaschen oder etwas gegessen. Und als es in den großen Kampf geht, sucht sich das Mädchen ausgerechnet einen roten Faltenrock aus. Da gibt es auch zu wenige inhaltliche Informationen, wie es in der Welt der Magier aussieht.

Es wundert mich auch, dass in dem gesamten Buch sehr wenig Magie eingesetzt wird. Ja, den weißen Magiern ist es verboten, aber alleine beim Kampf bei der Ratsbibliothek am Bootshaus werden eigentlich von beiden Seiten nur Pfeil und Bogen eingesetzt. Erst am Schluß wird eine Blitzkugel abgefeuert. Das ist für mich irgendwie wenig glaubhaft und hat nicht ganz gepasst. Die schwarzen Magier wenden in ihren schwarzen Höhlen Magie alleine im alltäglichen Hausgebrauch schon an. Warum sollten sie dann auch nicht in einem epochalen Kampf Magie als Waffe benutzen?

Claudia Rehm: "Die Nacht der tausend Farben - Tödliche Elemente" (Band 1) @ 2016 Claudia Rehm

Copyright: © 2016 Claudia Rehm
Covergestaltung: Mia Bernauer

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  • Claudia Rehm (Autor), Mia Bernauer (Illustration)
  • kindle Edition: 3456 KB (468 Seiten)
  • Erscheinungsdatum: 2. Auflage 2016
  • Verlag: Selfpublishing
  • ASIN: B01521F38A
  • Genre: Romantasy
  • Empfohlenes Alter: ab 12

» Siehe auch meine Rezension auf lovelybooks.de

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