Buchrezension Bild: vecteezy by MoonStarer, Font: ShellaheraScriptDemo.otf by Ryan Prasetya (DaFont)

Rezension: In der Liebe ist die Hölle los

Vielversprechender Anfang verliert zum Schluß sein Feuer

Cover: Benne Schröder - "In der Liebe ist die Hölle los" © 2017 LYX by Bastei Lübbe
Cover: Benne Schröder – „In der Liebe ist die Hölle los“ © 2017 LYX by Bastei Lübbe

Coverbild
Zum Cover kann ich nur sagen, dass ich es nicht so aufregend finde. Es ist sehr simpel mit einfachen Zeichnungen. Der Schriftzug ist aber gelungen. Insgesamt ist es aber austauschbar und hat kein Alleinstellungsmerkmal. Ich glaube nicht, dass ich das Buch anhand des Covers in einer Buchhandlung in die Hand genommen hätte.

Handlung
Catalea ist die Tochter des Teufels, lehnt aber alles „teuflische“ an ihr ab. Doch ihr Vater nötigt sie in der Firma zu arbeiten. Sie muss die verlorenen Seelen einsammeln und zum Torhaus in Köln bringen, sie ist ein Totenhändler. Aber Cataleas Fähigkeiten lassen zu wünschen übrig, sie ist etwas unbeholfen und passt so gar nicht in die „High-Society“ der Firma. Als ein Auftrag missglückt muss der in der dunklen Welt geächtete Totenanwalt Timur sie aus den Fängen der Polizei befreien. Die dunkle Welt schwört Rache gegen Catalea. Sie flüchtet mit Timur und gemeinsam versuchen sie aufzuklären, wer ihr diese Falle gestellt hat.

Buchlayout / Haptik
Die Länge der Kapitel ist sehr angenehm und einige werden mit einem Auszug aus dem „Ratgeber für die Toten“ eingeleitet. Das handliche Format der LYX-Bücher mit der Klappbroschur ist sehr angenehmen und gefällt.

Idee / Plot
Die Vorstellung, dass sich die Hölle in unserer heutigen Zeit – allein durch die demographische Entwicklung und daraus resultierenden höheren Anzahl an gefallenen Seelen – inzwischen zu einem Megakonzern mit hohem Verwaltungsaufwand entwickelt hat, ist im Grunde nicht neu. Auch die Ähnlichkeit mit der Mafia.

Trotzdem hat der Autor Benne Schröder hier eine interessante Idee aufgefasst und in einen vielversprechenden Plot gepackt. Catalea als halb Mensch und halb Dämon kämpft zunächst stark gegen ihre dunkle Seite an. Erst der Verrat und die Flucht mit Timur lässt ihren ablehnenden Panzer aufbrechen und ihre Bestie stiehlt sich ihren Weg nach außen.

Weiter flechtet der Autor in seinen Plot ziemlich brisanten Zündstoff bezüglich Religion und Kirche ein. Das hat mir an der Idee besonders gut gefallen.

So erfahren wir in einem Auszug aus dem „Ratgeber für Tote“, dass zwar die Seelen aller Religionen im „Dunkel“ ankommen, sich das Jenseits aber an den Glauben der Seele anpasst. Freche Spitzen peppen dieses eigentlich heikle Thema sehr gekonnt auf.

Muslime blättern direkt zu Kapitel 3, und alle christlichen Strömungen orientieren sich in Kapitel 4 bei den jeweiligen Unterpunkten. Radikal evangelische Freikirchen warten bitte auf den Totenarbeiter.“

S. 15, Benne Schröder: „In der Liebe ist die Hölle los“ (© 2017 LYX Verlag).

Das gipfelt im Auftritt von Judas, der durch den Verrat an Jesus in den Augen des Teufels die größte Sünde begangen hat, und dieser Judas in der Hölle deswegen auch zum Dämon gemacht hat. Leider verschwindet dieser Gedanke im Laufe des Buches und wird nicht weiter intensiviert.

Emotionen / Protagonisten
In Catalea konnte ich mich zunächst gut einfühlen. Sie ist total sympathisch. Reflektiert und schätzt sich ganz gut ein. Ich mag es lieber, wenn die Protagonistin nicht alles perfekt kann und weiß, sondern einfach ihre Ecken und Kanten hat. Aber im Laufe der Geschichte verwehrt sich mir der Zugang durch recht viele Wiederholungen ihrer Gedanken und Grübeleien. Das wird mit der Zeit nervig. Sie verabscheut Timur und fühlt sich gleichzeitig extrem zu ihm hingezogen. Die Wandlung vom bockigen Menschen zum bestialen Dämon im Laufe der Geschichte kommt gut hervor, ist mir aber nicht eindringlich genug.

Timur wird von Catalea ständig als das „Arschloch“ dargestellt. Dabei ist mit Timur tatsächlich zu mau, er hat kaum Kanten oder Ecken. Anfangs fand ich ihn sehr mysteriös-sympatisch. Ja, er frotzelt Catalea recht häufig und gerne, doch das reicht für mich noch nicht zum Bad-Boy. Dafür ist er mir dann zu harmlos und oberflächlich. Ich kann in ihm kaum den geächteten Dämon erkennen, den der Autor mir weis machen möchte.

Die Lovestory zwischen den beiden kann ich demnach auch mit der Zeit nicht mit empfinden. Sie fühlen sich von Anfang an zueinander angezogen, da hat mir aber das Gefühls-Ping-Pong gefehlt. Die erotische Szene lässt mich etwas unzufrieden zurück. Für einen Akt zwischen Dämonen passierte zu wenig und Benne Schröder hat sich hier in den Äußerungen viel zu bedeckt gehalten. Da hätte ich viel mehr dämonisches Feuer erwartet! Zum Ende hin wird die Beziehung sogar etwas schlonzig und kitschig.

Handlungsaufbau / Spannungsbogen
Der Spannungsbogen ist gut erdacht, doch zu wenig ausgebaut. Es gibt anfangs eine pfeffrige Kampfszene, doch die weiteren Höhepunkte, auf dem Friedhof und beim Tribunal, sind mir zu schwach. Als Showdown zu mau und ohne wirklicher Steigerung gegenüber dem Anfang. Ab Mitte des Buches häufen sich die Längen und insgesamt fällt es mit dem schwachen Spannungsverlauf zum Schluss hin zu sehr ab. Bei Dämonen hätte ich hier vielmehr passieren müssen. Aber kein dämonischer Kampf oder unterirdische List haben den Antagonisten zu Fall gebracht, sondern eher eine Schubserei unter Jungs auf dem Pausenhof.

Szenerie / Setting
Ein bisschen verwirrt es mich schon, dass die 7 Häuser des Jenseits sich auf Deutschland konzentrieren. Die Zentrale, ist – wie man von der Mafia erwartet – in Italien auf Sizilien. Doch ein wenig vermisse ich schon die weltumfassendere Sicht. Von dem her kann ich das Setting nur teilweise akzeptieren. Trotzdem werden die Szenerien gut beschrieben und ich kann mir die Umgebung gut vorstellen.

Der Korridor mit den Portal-Türen erinnert mich stark an den Traumkorridor aus Kerstin Giers Trilogie „Silber“. Vielleicht könnte das die ersehnte Erklärung sein?

Gefreut habe ich mich über die Erwähnung des Teufelsfußabdruck in der Frauenkirche von München. Als geborene Münchnerin ist man mit dieser Geschichte natürlich vertraut.

Sprache / Schreibstil
Sprachlich bin ich wirklich überrascht. Flotte Sprüche, viel Wortwitz und teilweise triefender Sarkasmus passen gut zusammen und lassen das Buch gut lesen. Benne Schröder hält sich nicht mit ausschweifenden Erzählungen auf. Die Sprache ist direkt, aber für mich sehr schön bildlich.

Cover: Benne Schröder - "In der Liebe ist die Hölle los" © 2017 LYX by Bastei Lübbe

Copyright: © 2017 LYX by Bastei Lübbe 
Umschlaggestaltung: ZERO Werbeagentur München

» Autorenseite bei LYX
» Facebookseite  Benne Schröder
» Autorenseite bei Amazon.de


  • Benne Schröder (Autor)
  • Klappenbroschur: 400 Seiten
  • Erscheinungsdatum: 24. April 2017
  • Verlag: LYX bei Bastei Lübbe
  • ISBN: 978-3736304499
  • Genre: Romantacy, Urban-Fantasy

» Siehe meine Rezension auf Lesejury.de
» Siehe meine Rezension auf Netgalley.de
» Siehe meine Rezension auf Lovelybooks.de


Rezensionen meiner Bloggerkolleg*Innen u.a. aus der Lesejury-Leserunde:

2 Gedanken zu „Rezension: In der Liebe ist die Hölle los“

  1. Eine sehr schöne und vor allem ausführliche Rezension. Vielen Dank dafür, dass die uns Leser immer wieder mit so tollen Bewertungen bescherst. <3

    Zu dem Fazit bin ich auch gekommen. Band 2 werde ich mir nicht kaufen, aber sicher würde ich ihm bei einem anderen Projekt noch einmal eine Chance geben.

    1. Vielen lieben Dank! So ein Lob hört man natürlich immer gerne.
      Es tut mir auch schrecklich leid für Benne Schröder, zumal das Buch auch wirklich gut angefangen hat. Ich hoffe aber, dass es da noch mehr Projekte geben wird.Ob ich den 2.band noch lesen werde, ich glaube nicht. Außer die Rezensionen unserer Bloggerkolleg*Innen versprechen eine Besserung.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.