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Re-Read: Die Unendliche Geschichte (1)

Teil 1: 40 Jahre Die Unendliche Geschichte

Michael Ende "Die Unendliche Geschichte" © 2019 Thienemann-Esslinger Verlag GmbH, Stuttgart, gebundene Ausgabe 2019
Michael Ende „Die Unendliche Geschichte“ © 2019 Thienemann-Esslinger Verlag GmbH, Stuttgart, gebundene Ausgabe 2019

Erst einmal möchte ich mich ganz herzlich beim Team des Thienemann Verlages bedanken, das mir ein Rezensionsexemplar der Unendlichen Geschichte in der neuesten Ausgabe zum 40. Jahrestag überlassen hat.

Aus diesem Anlass habe ich mir vorgenommen eine kleine Artikel-Reihe zu “Die Unendliche Geschichte” mit 3 Beiträgen zu schreiben. Mir ist klar, dass ich nicht auf Alles eingehen kann, aber ich hoffe, Euch ein Stückchen meiner Leseerfahrung näher zu bringen zu können. Im ersten Teil meiner Artikel-Reihe gehe ich vor allem auf die neue Standardausgabe von 2019 ein und erzähle Euch ein bisschen über die mir wichtigsten Figuren.

Rezension der anderen Art

Ich denke, es gibt genügend Rezensionen und vor allem detaillierte Buchbesprechungen zu “Die Unendliche Geschichte”. Ich werde deswegen hier keine standardmäßige Rezension schreiben, sondern eher auf meine Gefühle eingehen, auf die Unterschiede zwischen Hörspiel und Buch, zwischen den Ausgaben 1979 & 2019, und ich möchte auch einige Passagen raus suchen, die mich aus – welchem Grund auch immer – besonders berührt haben. Ich gehe davon aus, dass der Inhalt und der Verlauf der Unendlichen Geschichte meinen Lesern hier bekannt ist. Trotzdem möchte ich darauf hinweisen, dass meine Ausführungen hier bestimmt Spoiler enthalten werden.

Solltet Ihr die Unendliche Geschichte nicht kennen, dann empfehle ich Euch ganz dringend dies nachzuholen, und vielleicht erst dann meine Meinung hier zu lesen.

Die Ausgabe 2019

Die neue Ausgabe ist wunderschön gestaltet. Für die gesamten Illustrationen zeichnet sich Eva Schöffman-Davidov verantwortlich. Klassischerweise hat das Buch, wie auch schon die erste Ausgabe 1979, einen roten Leineneinband, das den Kupfereinband des Buches in der Geschichte nachahmen soll. Der Vorsatz ist abwechselnd verziert mit einer roten und dunkeltürkisen Ornament-Zeichnung. Jedes Kapitel beginnt mit einer zweifarbigen Zeichnung der Initiale.

Besonders schön ist der Schutzumschlag. Er ist durchgehend schwarz mit filigranen weißen und goldenen Zeichnungen. In der Mitte ist das Amulett AURYN zu sehen, in deren Mitte “Michael Ende” und “Die Unendliche Geschichte” in Versalien gesetzt wurde. Die zwei Schlangen des Amuletts sind sehr detailreich gezeichnet. Jede Ecke zieren geometrische Formen und Ornamente, die über die gesamte Fläche weiter auslaufen. Das Cover haut mich wirklich um und ich bin richtig begeistert!

Erst bei dieser Ausgabe ist mir tatsächlich aufgefallen, dass das Buch genau 26 Kapitel besitzt und jedes Kapitel mit dem Buchstaben entsprechend der alphabetischen Reihenfolge beginnt. Und auch in dieser Ausgabe wird die Schriftfarbe zweifarbig gedruckt, je nachdem aus welcher Perspektive der Abschnitt erzählt wird.

Was mir leider fehlt sind die ganzseitigen Zeichnungen an jedem Kapitelanfang. In der Ausgabe 1979 wurden die Zeichnungen der Initialen über eine ganze Seite ausgestreckt. Hier hätte ich mir diese Analogie trotzdem noch gewünscht. Die Initialen sind in dieser Ausgabe nur 5 Zeilen hoch

Trotzdem sieht man, dass diese neue Auflage, 40 Jahre nach der Erstausgabe dieses wunderbaren Buches, mit sehr viel Herzblut und Hingabe gestaltet und produziert wurde und ein würdiges Geburtstagsgeschenk an Michael Endes Gedenken ist.

Warum das Re-Read?

Gelesen habe ich die Unendliche Geschichte komplett nur einmal als Kind, ziemlich bald nachdem die erste Ausgabe veröffentlicht wurde, bzw. wurde sie mir vorgelesen. Als das dreiteilige Hörspiel Anfang der 80er dann auf dem Markt kam, haben wir als Kinder dieses inhaliert. Seitdem höre ich die Unendliche Geschichte sehr oft, egal wann und wo. Auf Reisen, zum Einschlafen, beim Bügeln… es ist ein ständiger Begleiter und ich kann so gut wie alle Szenen schon synchron mitsprechen.

Als meine Kinder langsam in das richtige Alter für einen Ausflug nach Phantásien kamen, habe ich es ihnen abwechselnd mit meinem Mann vorgelesen. Es war das erste Mal, dass ich das Buch von 1979 wieder in den Händen gehalten hatte. Die Geschichte habe ich aber nur lückenhaft mitbekommen, da ich durch den Wechsel mit meinem Mann immer nur Bruchstücke vorgelesen habe. Recht schnell war mir klar, dass es da doch noch enorme Unterschiede zum Hörspiel gibt. Und der Wunsch, das Buch mal wieder ganz alleine und in einem Rutsch zu lesen hatte sich ab dem Zeitpunkt unterschwellig in meinem Bauch eingenistet.

Die Charaktere

Ich kann natürlich nicht alle Charaktere auflisten. Deswegen möchte ich nur über die Figuren schreiben, die wichtig sind und mich besonders berührt haben.

Bastian Balthasar Bux

Ich mochte Bastian noch nie. Weder beim Hörspiel noch beim Lesen damals. Das hat sich beim Re-Read auch nicht geändert. Er ist egoistisch, eigensinnig und bockig. Schon alleine, wie er sich ständig am Anfang selber herunter macht, er sei dick und unbeliebt. Das hat mich immer schon enorm gestört. Jetzt verstehe ich aber, warum Michael Ende den Jungen so stark unsympathisch zeichnen musste. Auch seine Entwicklung geht erst mal in die negative Richtung. Er wird immer dreister und unverschämter, bis er Atréju tatsächlich den Kampf ansagt und ihn verletzt.

Aber mir gefällt besonders gut, dass Bastian einsichtig wird, dass er durch das Vergessen seiner Erinnerungen an die Menschenwelt am Ende gezwungen ist über sich und den wahren Wunsch nachzudenken und tatsächlich selber darauf kommt, dass er dem Vater das Wasser des Lebens mitbringen möchte, also seine Erkenntnis über seinen wahren Wunsch, endlich selber lieben zu können.

Atréju

Im Gegensatz zu Bastian war ich schon als Kind verliebt in Atréju. Ein selbständiger kleiner Junge, der sein Leben und Lenken nicht auf sich bezogen hat, sondern immer das große Ganze im Blick hatte. Er ist uneigennützig und legt sein Leben in die Hände von Bastian. Und er bleibt sich seiner Linie treu, auch bis zum Schluß als er für Bastian einsteht und seine angefangenen Geschichten in Phantásien zu beenden. Er ist also genau das Gegenteil von dem, was ich über Bastian empfinde. Aber das ist von Michael Ende auch bewusst so eingesetzt worden, denn Atréju ist in Wahrheit Bastian, bzw. Atréju ist das, was sich Bastian immer gewünscht hat zu sein

Fuchur

Manchmal ist mir Fuchur mit seinem “Glück haben”-Gefasel richtig auf den Keks gegangen. Aber ich glaube, Fuchur ist dazu da dem Leser zu vermitteln, Situationen einfach anzunehmen und weiterzumachen, ohne groß darüber nach zu denken. Das Schicksal wird deinen Weg schon lenken.

Gmork

Die Begegnung zwischen Atréju und Gmork bereitet mir immer Gänsehaut. Gmork ist böse und gefährlich. Aber ich empfand ihn schon immer für was Besonderes, denn er ist weder Phantásier noch Mensch. Die Unterhaltung zwischen den Beiden hat so viel geballte Kritik und ist für mich eine Schlüsselszene. Sie zeigt, dass die beiden Welten, Phantásien und die Menschenwelt untrennbar zusammengehören und voneinander abhängig sind.

Uyujála

Wie ihr alleine schon am Namen meines Blogs “TheUjulala” erkennen könnt, ist die Unendliche Geschichte ein sehr wichtiger Bestandteil in meinem literarischen Leben, damals wie heute. Michael Ende hat die Figur des Südlichen Orakels zwar anders geschrieben, aber die Begegnung mit der Uyulála ist für mich eines der schönsten und poetischsten Zwiegespräche im gesamten Roman. Nur eine Stimme allein schon ist ihr Körper. Dieser Aspekt hat mich auch schon als Kind so sehr begeistert, dass ich ihn nur mehr als passend als Namen für meinen Bücherblog empfand.


Im zweiten Teil meiner Artikel-Reihe über “Die Unendliche Geschichte” zeige ich Euch, warum dieses Buch für mich immer noch stark berührend und zeitlos ist.

Teil 1: 40 Jahre Die Unendliche Geschichte

» Teil 2: Zeitlos und trotzdem immer noch aktuell

» Teil 3: Unterschied Hörspiel (1980) & Buch

Meine Bewertungen
  • Gesamteindruck
5

Kurzfassung

Ich kann Euch nur sehr innig ans Herz legen, die Unendliche Geschichte zu lesen, wenn ihr sie noch nicht kennen solltet. Und wenn ihr sie doch schon kennt, dann lest sie noch mal, denn jeder Ausflug nach Phantásien ist ein Ausflug in ein Reich voller Zauber, Magie und zu deinem wahren inneren Ich.


Michael Ende "Die Unendliche Geschichte" © 2019 Thienemann-Esslinger Verlag GmbH, Stuttgart, gebundene Ausgabe 2019

Copyright: © 2019 Thienemann-Esslinger Verlag GmbH Stuttgart

Gesamtaustattung:Eva Schöffmann-Davidov

» Offizielle Autorenhomepage Michael Ende
» Autorenseite bei Thienemann


  • Michael Ende (Autor), Eva Schöffmann-Davidov (Illustration)
  • Gebundene Standardausgabe: 480 Seiten
  • Verlag: Thienemann-Esslinger Verlag GmbH Stuttgart
  • Ausgabe: 15.01.2019 (Erstausgabe: September 1979)
  • ISBN: 978-3-522-20260-2
  • Genre: Fantasy, Jugendroman, Kinderbuch
  • Empfohlenes Alter: Jedes Alter!

Veröffentlicht von

Nana Shar

Mit etwas über 40 Jahren auf dieser Welt lebe ich mit meiner Familie und einem Hund in Bayern. Am liebsten lese ich im Moment Romantasy, Jugendbücher, Fantasy, Young Adult und New Adult. Mir gefällt vor allem die Mischung aus Spannung und Romantik. » Alle Beiträge von Nana Shar

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