Rezension: Dornen und Rosen - Das Reich der Sieben Höfe (Band 1)

Rezension: Dornen und Rosen – Das Reich der Sieben Höfe (Band 1)

Eine Leseerfahrung voller Dornen – ambivalent, holprig und sehr enttäuschend.

Cover Sarah J. Maas: "Im Reich der Sieben Höfe - Band 1 Dornen und Rosen" © 2017 dtv Verlagsgesellschaft
Cover Sarah J. Maas: „Im Reich der Sieben Höfe – Band 1 Dornen und Rosen“ © 2017 dtv Verlagsgesellschaft

Dieses Buch wurde mir schon von verschiedenen Seiten empfohlen. Deswegen musste ich es nun auch endlich mal lesen. Und am besten geht sowas natürlich mit den Mädels der besten FB-Gruppe der Welt. Denn wir fast alle hatten diesen Titel noch nicht gelesen, und im Nachhinein bin ich wahnsinnig froh, es gemeinsam mit ihnen gelesen zu haben.

Coverbild

Erstaunlicherweise fällt mir erst jetzt beim Schreiben der Rezension auf, dass sich Carolin Liepins für das Cover verantwortlich zeichnet. Es ist nicht ganz so typisch für diese Illustratorin, aber es gefällt mir doch recht gut. Normalerweise kenne ich Cover der Künstlerin mit viel mehr typografischen Elemente. Die stilistischen Zweige mit den roten Blüten gefallen mir sehr gut. Die Frauenfigur passt stilistisch da leider nicht ganz rein.

Handlung

Die junge Frau Feyre wird durch einen alten Vertrag in das Reich der Fae verschleppt. Entgegen ihrer Annahme dort als Gefangene leben zu müssen, genießt sie am Frühlingshof große Freiheiten und kommt ihrem Entführer Tamlin doch näher als sie wollte. Doch das Reich ist in Gefahr und plötzlich gerät alles aus den Fugen. Feyre muss sich gegen einen mächtigen Gegner stellen und für ihre Liebe kämpfen.

Mehr kann man leider nicht schreiben, denn die Handlung beginnt erst bei 70 % des Buches, und dann kommt es extrem geballt. Leider spielt das dann schon jenseits der Spoilergrenze, so dass ich nicht mehr über die Handlung erzählen kann.

Buchlayout / eBook

Die über 480 Seiten sind in 46 kleine Kapitel eingeteilt. Ansonsten ist außer einer kleinen Karte, die mich sehr stark an Großbritannien erinnert, kaum Ausschmückung vorhanden und eher lieblos gestaltet.

Idee / Plot

Woran erinnert mich das Ganze? Ja klar, eine Mischung aus „Die Schöne und das Biest“ und „Aschenputtel“ in einem dystopischen Misch-Setting aus „Herr der Ringe“ und „Panem“. Dass es eine Märchenadaption sein soll, habe ich erst später erfahren. Die jüngste Tochter einer einst sehr wohlhabenden Familie, hat ihrer Mutter auf dem Sterbebett einen Eid geschworen und ist nun die einzige Hoffnung den Vater und ihre störrischen Schwestern aus der Verlotterung zu retten. Doch das Schicksal führt Feyre in ein Reich, dass sie bisher nur aus Legenden kennt. Dort entpuppt sich das Biest, welches sie entführt hat, als verfluchter Schönling. Aber ihre Liebe wird überschattet von einer bösen Übermacht, die das ganze Fae-Reich bedroht. Hm, und schon kann ich wieder nicht weiter erzählen, zumal ich ja eigentlich auch die Handlung wiederhole. Die Idee, ein Mädchen muss sich ihrem Feind stellen und kitzelt das Gute heraus, ist ja nicht neu. Auch nicht, dass dieses Ding dann um diese Liebe kämpfen und beweisen muss. Also richtig überzeugen konnte mich die Handlung nicht, und neuartig ist es auch nicht.

Emotionen / Protagonisten

Feyre ist mir von Anfang an regelrecht unsympathisch und kommt überhaupt nicht authentisch bei mir an. Sie wirkt aber auch so ambivalent auf mich. Sie urteilt sehr abschätzig über ihre Schwestern, und dann „vergeht“ sie vor lauter Sorge um sie. Ich kann ihr aber diese „Liebe“ zu ihrer Familie nicht abnehmen. Und in jeder Handlung ist sie selbstverständlich sooooooo selbstlos, aber in Wirklichkeit trotzdem oft sehr unreflektiert. Erst sehr viel später taut mein Verhältnis zu ihr auf, wobei ich immer noch nicht ganz überzeugt bin.

Tamlin, das anfängliche Biest, ist dagegen das komplette Buch über farblos. Er hat ein paar wenige schöne Szenen. Es ist schnell klar, dass er doch nicht ganz so das böse Biest ist. Wo Feyre gegen Ende des Buches mir greifbarer wird, wird Tamlin immer blasser und verschwindet irgendwie total.

Dafür schleicht sich ein anderer Protagonist auf die Bildfläche. Leider war mir der Name schon bekannt, aber ein wirklicher Plottwist ist es auch nicht. Ja, es wird `ne Dreiecks-Kiste, was ja irgendwie klar war.

Handlungsaufbau / Spannungsbogen

Hätte ich nicht meine Mädels, hätte ich dieses Buch schon längst in die Ecke gepfeffert. Ich habe schon lange kein Buch mehr gelesen, was mich wirklich teilweise zur Weißglut gebracht hat. Die ersten 60% passiert nichts – nada – nothing. Es ist laaangweilig und zäh. Es plänkelt und plätschert so vor sich hin, ohne dass wirklich was passiert. Ja klar, Feyre macht ein paar Dummheiten und dafür bestraft Tamlin sie gleich mit einer Brise Testosteron. Normalerweise hätte ich schon nach 30% aufgehört, aber meine Mädels haben mich motiviert weiter zu lesen. Der erste Teil wirkt auch so, als ob er erst später hinzugefügt wurde. So, als wäre die Geschichte künstlich in die Länge gezogen worden.
Im letzten Dritte wandelt sich plötzlich die Handlung. Sie wird dann aber teilweise so krass, und extrem brutal, was mir dann auch etwas aufstößt – teilweise für einen „Young Adult“ auch echt grenzwertig. Ich hatte eigentlich nicht erwartet einen Stieg Larsson zu lesen.
Ein bisschen hatte mich das letzte Drittel dann doch gepackt, was aber dann eher am dritten Protagonisten liegt.

Szenerie / Setting

Die Idee der Sieben Höfe mit den unterschiedlichen Jahreszeiten und Tageszeiten ist ganz nett. Aber mehr kann ich dazu nicht wirklich sagen. Ich habe eine ganze Zeit auch die Zusammenhänge und Unterschiede zwischen den ganzen Geschlechtern und Wesen nicht verstanden. Es tauchen auch ständig verschiedene Wesen auf, die aber nicht wirklich greifbar sind.

Klar ist, dass das Reich der Nacht in einem Berg ist und dort alles düster, schlammig und stinkig ist. Also das klassische schwarz-weiß Klischee. Allgemein wird hier alles sehr stereotypisch dargestellt, ohne Überraschungseffekt oder einem wirklich neuartigen Setting. Die Umschreibungen wirken manchmal richtig deplatziert und helfen auch nicht, sich wirklich in die Gegend einzufühlen.

Sprache / Schreibstil

Was zur Hölle ist der Autorin denn da passiert? Ich bin immer noch am Überlegen, ob es auch vielleicht an der Übersetzung liegt? Wie schon erwähnt wirken die ersten 2 Drittel wie „dazu gebastelt.“ Ständig … diese … drei … Punkte. Teilweise tauchen diese … auch noch mehrfach in einem Absatz auf. Die Sprache ist abgehakt und ungelenk, permanent wird alles wiederholt. Und immer wieder sind da einige Logikfehler. Feyres Gedankengänge drehen sich ständig im Kreis, das andauernde mantraartiges Gefasel strotzt nur so vor lauter „Mimimi“. Die Dialoge sind streckenweise regelrecht unförmig. Die Autorin streut lauter Andeutungen ein und lange versteht man überhaupt nicht die Zusammenhänge. Dann plötzlich wird die ganze Auflösung bei 70% in 2 Seiten abgehandelt.

Auch hier fängt es erst im 3. Drittel an zu flutschen, die Sprache wird flüssiger. Feyre hört endlich auf sich in Selbstmitleid und langatmigen Monologen zu vergehen.


Cover Sarah J. Maas: "Im Reich der Sieben Höfe - Band 1 Dornen und Rosen" © 2017 dtv Verlagsgesellschaft

Copyright: © 2017 dtv Verlagsgesellschaft mbH & Co. KG, München
Umschlaggestaltung: Carolin Liepins

» Sarah J. Maas bei dtv Verlag
» Sarah J. Maas – dtv Special


  • Sarah J. Maas (Autor), Alexandra Ernst (Übersetzung), Carolin Liepins (Illustration)
  • Erscheinungsdatum Erstausgabe:10. Februar 2017
  • eBook:2284 KB (480 Seiten)
  • Verlag:dtv Verlagsgesellschaft
  • ASIN: B01NCBD5T7
  • Genre: Fantasy

» Siehe auch meine Rezension auf lovelybooks.de

6 Gedanken zu „Rezension: Dornen und Rosen – Das Reich der Sieben Höfe (Band 1)“

  1. Hallo 🙂
    wie schade, dass der Roman dich nicht überzeugen konnte. Es ist aber mal interessant zu lesen, wie die Handlung auf jemanden wirkt, der von Sarah J. Maas Stil nicht überzeugt ist. Ich kann deine Punkte stellenweise nachvollziehen, weshalb du eben diese Szenen als Kritik geäußert hast. Allerdings muss ich gestehen, dass gerade Feyres Art, diese Nachdenklichkeit und die inneren Monologe, sowie die Langsamkeit mit der uns Sarah J. Maas in die Handlung einführt, eines meiner höchst gelobten Punkte sind. So sieht man mal, wie unterschiedlich dann doch Geschmäcker sind und das freut mich irgendwie 🙂 Dafür gibt es unterschiedliche Genre und Bücher und Autoren, damit jeder seinen Platz findet 🙂

    Alles Liebe,
    Sarah

    1. Hi Sarah,

      Gott sei dank gibt es verschiedene Geschmäcker! Und wie Du schon sagst ist das auch wichtig und richtig. Nicht auszudenken, uns würde allen das Gleiche gefallen. Ich freue mich für Dich, dass Dir das, was ich bemängelt habe gefällt!

      Ich denke, das hat auch viel mit der Lesegewohnheit zu tun. Von Sarah J. Maas kenne ich bisher noch kein Buch, aber ich lasse mich immer gerne überraschen.

      LG Nana

  2. HIHIHI… 🙂 unterhaltsame Rezension und viel Spaß mit dem zweiten Teil, wenn du schon den ersten zu sehr Mimimi fandest. Ich hatte das zweite Buch seinerzeit abgebrochen. Vielleicht wurde der nach dem ersten dösigen Viertel ja auch noch richtig gut, aber mir ging der Anfang extrem auf den Senkel.

    Liebe Grüße
    Alex

    1. Hi Alex,

      Dankeschön, lustig, wie unterschiedlich fie Meinungen ausfallen. Das macht das ja aber auch interessant. Wäre ja langweilig, wenn jedem alles gefallen würde.
      Ich werde gerne berichten, wie es nach dem ersten Viertel war!

      LG Nana

  3. Ich freue mich sehr , dass du den 2. Teil mit uns zusammen lesen wirst! Ich habe im Gefühl, dass dieser besser werden wird! Lassen wir uns überraschen!

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