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Rezension: Blackwood – Briefe an mich

Griff ins Butternäpfchen – leider enttäuschend

Britta Sabbag "Blackwood - Briefe an mich" ©  2019 S. Fischer Verlag GmbH
Britta Sabbag „Blackwood – Briefe an mich“ © 2019 S. Fischer Verlag GmbH

Allein das Cover hatte mich schon auf der LBM magisch in seinen Bann gezogen. Bisher kannte ich Britta Sabbag noch nicht und dieses Buch hatten mir einige aus meinem Freundeskreis schon empfohlen. Also war es nun um mich geschehen und das Buch landete kurzerhand in meinem Einkaufskorb.

Coverbild

Das Cover ist der Hammer. In der Mitte prangt eine filigran gezeichnete Libelle in einem kupferfarbenen Glanzton mit ausgestreckten Flügeln auf einem ornamentalen Kreis. Das obere Paar Flügel bildet mit zwei Linien ein Dreieck. Drumherum ranken sich auf Jugendstil-Art grünliche Bänder. Der Titel und Untertitel Blackwood ist links und rechts neben dem Libellenkörper in einer Serife mit einem handschriftlichen Charakter platziert. Die glänzenden Drucke haben eine besondere Haptik und lassen das gesamte Cover wertiger erscheinen. Für mich, die eh sehr auf grafiklastige Cover steht, ein echter Eyecatcher!

Handlung

Die 15-jährige Gesine, genannt Ge, muss nach dem tragischen Tod ihrer Mutter von Wien nach Blackwood in Irland, zu ihrer Tante. Es fällt ihr nicht leicht, sich dort einzuleben, da sie mit den komischen Bräuchen und Traditionen der Irländer zurecht zu finden und auf sie auch oft sehr seltsam und wirklichkeitsfremd wirken. Doch plötzlich erhält sie Zuspruch aus einer Richtung, die sie am wenigsten erwartet hätte. Ihr eigenes Ich aus der Zukunft schreibt Briefe an sie! Endlich kann Ge sich ihr Herz ausschütten, denn sie weiß ja, dass ihr zukünftiges Ich sie am besten verstehen kann. Vor allem, wie sie mit Arian Mary umgehen soll, der heißeste Junge an der Schule, der aber leider mit der intriganten Lilian zusammen ist.

Buchlayout / Buch

Das gesamte Buch ist wunderschön gestaltet. Im Vorsatz sehen wir eine Karte über Blackwood. Jedes Kapitel wird mit einer filigranen Zeichnung einer Libelle und der Kapitelnummer eingeleitet. Verschiedene Schriftarten zeigen visuell, ob der Leser sich gerade in Ges Perspektive befindet oder wir gerade Radio Blackwood “hören”. Auch die Briefe werden in einer Handschrift dargestellt. Die doch stattlichen 448 Seiten werden in 26 Kapitel eingeteilt.

Idee / Plot

Was für eine grandiose Idee! Ich erhalte Briefe aus der Zukunft, und vor allem von meinem eigenen Ich! Was würde ich fragen? Was würde ich wissen wollen? Und was würde mein zukünftiges Ich mir darauf antworten? Würde es mir die Wahrheit sagen, auch wenn es weiß, dass es damit die Zukunft ändern könnte. Was für ein Potenzial birgt diese Idee und was für eine Magie muss dahinter stecken? Allein der Klappentext hat mich wahnsinnig neugierig gemacht, neben dem umwerfenden Cover. Aber kann die Ausführung diese wunderbare Idee auch halten?

Emotionen / Protagonisten

Das arme Mädchen Gesine muss mit 15 aus ihrer gewohnten Umgebung, der Großstadt Wien, in ein verschlafenes Dörfchen ausgerechnet nach Irland. Ein Land, das von seinen Traditionen und sagenumwobenen Merkwürdigkeiten lebt. Natürlich ist das ein Schicksal, welches man keinem Mädchen wünscht, die Mutter verloren und nun alleine bei einer Tante, die man nicht kennt mit Bräuchen und Traditionen, die man nicht versteht. Und trotzdem fand ich das Kind mehrfach einfach nur extrem naiv. Es gab schöne Momente, wo sie angefangen hatte ein bisschen zu reflektieren, ihr Verhalten aber überhaupt nicht dem einer 15 Jährigen entsprach. Eher das einer 12 Jährigen. Mir ist bewusst, dass die Autorin die Protagonistin etwas überspitzt tollpatschig und naiv darstellen muss. Aber ich empfand es als sehr unrealistisch und nicht einer 15 Jährigen entsprechend. Es hat mich dann ab einem gewissen Zeitpunkt regelrecht genervt, vor allem weil ich schon wusste, dass das Kind gleich wieder in einen Fettnäpfchen trampeln wird.

Auch schon gleich zu Beginn lernen wir den Loveinterest kennen, der natürlich der heißeste it-boy an der Schule ist und natürlich mit dem heißesten it-girl zusammen ist. Leider ist mir das zu klischeehaft. Ich konnte ihn so gut wie gar nicht greifen und auch nicht seine Handlungsweisen nachvollziehen. Da ist er mir einfach zu blass und zu platt dargestellt.

Zu den anderen Figuren kann ich nur sagen, dass sie mir ebenfalls zu wenig ausgebaut wirken. Die Köchin Mimi ist die einzige, die einen höheren Stellenwert erhalten hat. Dabei hätte ich es ja irgendwie wichtiger gefunden, die Beziehung mit der Tante Wanda auszubauen und zu vertiefen. Dieser Konflikt wird aber so marginal und stiefmütterlich behandelt, was ich sehr schade finde. Gerade die Problematik, die Tante Wanda mit ihrer verstorbenen Schwester hatte, wird nur angerissen, aber dabei bleibt es dann einfach.

Handlungsaufbau / Spannungsbogen

Beim Handlungsaufbau habe ich meine größten Schwierigkeiten. Die Anspielungen auf ein magisches Blackwood sind anfangs da, werden aber konsequent ignoriert. Wir können Ge kurz bei ihrer Ankunft und ihren Startschwierigkeiten in der neuen Umgebung bei ihrer Tante begleiten. Dann plötzlich wendet es sich zu einem typischen Highschool-Romance-Setting. Ab da geht es nur noch um Ge, wie sie aus Versehen in die Theater AG stolpert und natürlich mit den üblichen Konsequenzen zurechtkommen muss. Leider ist genau das alles so voller altbackenen Klischees. Und dann geht es seitenweise nur noch um das Theaterstück und der [Kuss], was die gesamte Handlung nur noch extrem in die Länge zieht.

Wo bleibt die Idee mit den Briefen? Diese tauchen tatsächlich auf, aber summa summarum leider nur 3 mal und auch sehr spät. Und dann sind die Antworten so wischiwaschi, dass diese ganze Idee “Briefe an mich” nur noch zu einem Nebenschauplatz verkümmert. Am Schluß gab es dann eine Wendung, bei der ich mich nur wundern kann, warum JETZT erst? Die ganze Idee und das hohe Konfliktpotenzial mit den Briefen wurde gar nicht wirklich ausgebaut, sondern lässt mich absolut enttäuscht zurück. Das Ende wirkt nur noch konstruiert und vor allem mit einigen Ungereimtheiten. Und plötzlich löst sich alles in Wohlgefallen auf. Ich finde das wirklich schade.

Szenerie / Setting

Nach dem Klappentext hatte ich mir eine wunderschöne magische Story im mystischen Irland vorgestellt. Aber erhalten habe ich ein klischeebehaftete Highschool-Setting. Das Dörfchen Blackwood konnte Britta Sabbag mir dennoch schön bildlich darstellen und ich konnte mir alles sehr gut vorstellen. Leider hätte das Setting wesentlich mehr Potenzial zu mystischen Momenten gegeben. Diese wurden aber nur kurz angerissen aber dann gar nicht ausgebaut. Radio Blackwood hatte mich auch noch zudem zu sehr an den “Tittle-Tattle-Blog” erinnert.

Sprache / Schreibstil

Sprachlich hat mir Britta Sabbags Stil sehr gut gefallen. Manchmal gab es mir zu oft Wortwiederholungen, trotzdem war es ein lockerer und leichter Schreibstil. Wir erleben die Geschichte aus Ges Perspektive als Ich-Erzähler im Präteritum.

Meine Bewertungen
  • Cover
  • Buchlayout (eBook)
  • Idee / Plot
  • Handlungsaufbau / Spannungsbogen
  • Szenerie / Setting
  • Emotionen / Protagonisten
  • Sprache / Schreibstil
2.6

Kurzfassung

Alles in allem wurde ich doch sehr enttäuscht, da ich viel mehr Magie aber auch viel mehr Konflikt zwischen dem zukünftigen und jetzigen Ich der Protagonistin erwartet hatte. Leider hat das Buch nicht das gehalten, was der Klappentext versprochen hat. Im Grunde ist es eine schön seichte Lovestory für Mädchen ab 10 Jahren mit ein bisschen Magie. Aber mehr nicht. Als All-Age-Roman würde ich es nicht bezeichnen.



  • Britta Sabbag (Autor)
  • Erscheinungsdatum: März 2019
  • Hardcover: 448 Seiten
  • Verlag: S. Fischer Verlag GmbH
  • ISBN: 978-3841440136
  • Genre: Jugendroman, Romantasy


Veröffentlicht von

Nana Shar

Mit etwas über 40 Jahren auf dieser Welt lebe ich mit meiner Familie und einem Hund in Bayern. Am liebsten lese ich im Moment Romantasy, Jugendbücher, Fantasy, Young Adult und New Adult. Mir gefällt vor allem die Mischung aus Spannung und Romantik. » Alle Beiträge von Nana Shar

2 Gedanken zu „Rezension: Blackwood – Briefe an mich“

  1. Huiiii, da triften unsere Meinungen aber diesmal total auseinander. Ich fand das Buch sooooo toll und ich fand es gerade authentisch , dass Ge 15 war und sich meiner Meinung nach auch altersgerecht verhalten hat. Ich habe schon so viele Bücher gelesen, wo die Prota 17 ist und viel naiver wirkt. Zum Glück lässt sich über Geschmack nicht streiten. *Nicole*

    1. Ja, interessant, gell? Aber du hast völlig Recht! Gott sei dank sind Geschmäker verschieden und darüber streiten wir auch nicht. Es lag auch wohl eher an der Erwartungshaltung die ich diesem Buch gegenüber hatte. Es ist ein schönes Buch, aber hat da leider nicht meinen Nerv getroffen. 🙂

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