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Rezension: Fluch der Aphrodite

Überraschend anders, feinfühlig aber spannend und mitreißend

Marah Woolf "Fluch der Aphrodite" © 2020 Marah Woolf in Selbstpublikation
Marah Woolf „Fluch der Aphrodite“ © 2020 Marah Woolf in Selbstpublikation

Wer die GötterFunke-Trilogie kennt, hat bestimmt auch schon sehnsüchtig auf dieses Buch gewartet. Wer hat nicht Apoll lieb gewonnen und hoffte auf eine Fortsetzung mit dem griechischen Gott des Lichts? Natürlich muss ich als eingefleischter Marah Woolf Fan auch diesen Titel lesen und bin regelrecht überrascht!

Coverbild

Auf dem ganz in Lila gehaltenen Cover ist in der oberen Hälfte im Scherenschnitt ein Frauenkopf im Profil zu erkennen. Darunter ist in goldenen Serifen der Titel gesetzt. Das Ganze wird von Ornamenten eingerahmt. Schlicht aber so schön und eine handwerklich saubere Arbeit. Ja, so gefällt mir ein Cover! Und ganz unverkennbar aus der Feder von Carolin Liepins.

Handlung

Im Krieg um Troja kämpfen Apoll und Aphrodite auf der gleichen Seite. Doch der griechische Gigolo hat seine Gedanken und Gefühle ganz woanders und das geht Aphrodite gewaltig gegen den Strich, deswegen verflucht sie Apoll. Auch 3000 Jahre später ist der Fluch immer noch nicht gebrochen. Und obwohl sich Apoll damit abgefunden hat, hat Zeus ihn mit Aphrodite nun zu den Menschen verbannt, um diesen Fluch zu brechen. Aber die modernen Frauen scheinen so gar nicht auf den griechischen Mädchenschwarm abzufahren, geschweige denn sich ernsthaft in ihn zu verlieben. Und dabei sind Tinder oder aktuelle Liebesromane, die bei den heutigen Frauen so gehypt werden, kaum eine Hilfe.

Buchlayout / ebook

Das Buchlayout ist der Hammer! Auf dem wunderschönen Schutzumschlag, sind der Titel und ein paar Elemente in Blindprägedruck hervorgehoben. Der Vorsatz vorne zeigt am Anfang eine Zeichnung vom Trojanischen Krieg, am Ende gibt es eine Auflistung der 12 olympischen Götter. Zu Beginn führt Marah auch alle wichtigen Personen und Begriffe in einem übersichtlichen Glossar auf. Die einzelnen Kapitel sind etwas länger, teilen aber die 465 Seiten immer noch in angenehme Leseeinheiten auf und sind alle super liebevoll gestaltet, sowie auch jede Seitenzahl. Am Ende gibt es einen Stammbaum über das Trojansich Königshaus und natürlich das Rezept von Heras beliebten Zitronenkuchen.

Idee / Plot

Zwei griechische Götter kommen zu den Menschen um die wahre Liebe zu finden. Und wir wissen ja, dass die griechischen Götter es mit der Liebe ja eigentlich nicht so genau nehmen. Ob sich das nach 3000 Jahren völligen Liebesentzug geändert hat? Auf jeden Fall ist es absolut spannend und auch witzig, wie die eigentlich sonst so überheblichen Götter plötzlich auf den Boden der Tatsachen geworfen werden und erst mal lernen müssen, was wahre Liebe überhaupt bedeutet.

Besonders schön – und das möchte ich gerne noch mal betonen – greift Marah hier die in letzter Zeit hochdiskutierte Thematik der „bad-boys“ (Arschloch-Männer-Protagonist-Thema) in der romantischen Literatur auf. Männer, die sich den Frauen gegenüber abweisend verhalten aber trotzdem von den Protagonistinnen angehimmelt und regelrecht verehrt werden. Aber so ist Apoll überhaupt nicht. Er ist genau das Gegenteil. Auch wenn er im ersten Teil ein Frauenheld ist, ist er stets liebevoll und fürsorglich zu seinen Geliebten, und das macht ihn durchweg einfach liebenswert in seiner ganzen Art!

Emotionen / Protagonisten

Apoll ist der Mädchenschwarm in Mytikas und definitiv kein Kostverächter! Er genießt die Aufmerksamkeit der Damen um sich herum. Über seine Fürsorge dem weiblichen Geschlecht hin vergisst er voll und ganz seine Pflichten dem Trojanischen Volk gegenüber. Auch wenn man ja eigentlich weiß, wie der Trojanische Krieg geendet hat, kann man Aphrodite doch ziemlich gut nachempfinden, warum sie Apoll verflucht hat.

Aphrodite hat sich ganz auf den Krieg fokussiert. Sie wirkt so zart und kann sich ihren Gefühlen kaum erwehren.

Doch 3000 Jahre haben Vieles verändert. Apoll hat sich mit seinem Fluch abgefunden, wirkt aber sehr nachdenklich. Ja, und manchmal handelt er einfach wie ein Mann und steht auch oft ziemlich auf dem Schlauch… Aphrodite hingegen ist eine richtige Zicke geworden. Trotzdem machen beide in der Zeit bei Cayden, Jess, Leah und Josh eine schöne Wandlung durch und lassen einen wunderbar mitfühlen!

Handlungsaufbau / Spannungsbogen

Durch die Zweiteilung erleben wir eigentlich auch zwei Handlungsstränge. Der Trojanische Krieg wird in einem rasantem Tempo erzählt, die Ereignisse passieren Schlag auf Schlag bis sie in das martialische Finale enden, das für Troja ja bekanntlich den Untergang bedeutet hat. Marah hat hier ihr geballtes Wissen geschickt mit einer Liebesgeschichte verknüpft, ohne kitschig oder besserwisserisch zu wirken. Dieser Teil ist insgesamt actionreicher als der Abschnitt in der Gegenwart.

Im zweiten Teil dürfen wir dann Apolls unglücklichen Versuche miterleben, in der Gegenwart eine Frau zu finden, die seinen Fluch brechen soll. Natürlich passieren hier auch Katastrophen und spannende Momente, die Marah gekonnt aufeinander aufbaut und in ein großes Finale enden läßt. Diese Geschichte ist aber gar nicht so sehr auf krasse Plottwists oder ultraböse Antagonisten aufgebaut, sondern vielmehr auf die vielen kleinen Feinheiten zwischenmenschlicher Beziehungen. Trotzdem bleibt es über beide Teile hinweg spannend und hält viele prickelnde Momente bereit.

Szenerie / Setting

Ja, die griechischen Götter… Da hat uns Marah ja mit ihrer GötterFunke-Trilogie schon mal einen netten Einblick gegeben. Im ersten Teil befinden wir uns ganz klassisch in Mytikas und in Troja. Marah zeigt uns ihre Vorstellung dieser Schauplätze mit genau den richtigen Umschreibungen, und lässt trotzdem noch genug Platz für seine eigene Phantasie. Auch in der Gegenwart kann man sich das Studentenleben in Santa Barbara, in dem sonnigen Californien, sehr gut vorstellen und wäre am liebsten gleich mit dabei!
Und – woah – wir dürfen die Götter und ihre Freunde sogar auch in den Hades begleiten! Das hat mir ganz schön Gänsehaut bereitet!

Sprache / Schreibstil

Wer meine Rezensionen über die Bücher von Marah Woolf kennt, weiß, dass ich ihren absolut flotten Sprachstil einfach liebe. Keine unnötigen Details, immer knackig und direkt. Auch hier komme ich auf meine volle Kosten. Wir erleben Apolls Geschichte aus seiner Perspektive als Ich-Erzähler im Präsens. Das gelingt Marah wie immer ausgesprochen gut.

Gekonnt bindet sie auch immer wieder die bad-boy-good-girl Thematik in die Geschichte ein:

Ich lege das Buch zur Seite und lösche das Licht. Aphrodites gleichmäßige Atemzüge begleiten mich in den Schlaf. Dieser Hardin ist eigentlich ein unausstehlicher Kerl, trotzdem mag Tessa ihn. Was wollte July mir bloß mit diesem Buch sagen? Ich bin oft nicht gerade nett zu Aphrodite, allerdings käme sie nie auf den Gedanken, mich deswegen anziehend zu finden. Aber sie ist ja auch klug.

Marah Woolf “Fluch der Aphrodite” (©2020 Marah Woolf in Selbstpublikation)


Meine Bewertungen
  • Coverbild
  • Buchlayout / Habtik
  • Idee / Plot
  • Emotionen / Protagonisten
  • Handlungsaufbau / Spannungsbogen
  • Szenerie / Setting
  • Sprache / Schreibstil
4.4

Kurzfassung

Immer für eine Überraschung gut – Marah zeigt uns mal wieder, dass sie alles schreiben kann, immer gerne Neues ausprobiert und dabei mit zwinkerndem Auge mit den Genres jongliert. Dieses Buch ist total anders, als ihre bisherigen, aber dafür umso überraschender und feinfühliger!


Marah Woolf "Fluch der Aphrodite" © 2020 Marah Woolf in Selbstpublikation

Copyright: © 2020 Marah Woolf in Selbstpublikation
Umschlaggestaltung: Carolin Liepins

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  • Marah Woolf (Autor), Carolin Liepins (Illustration)
  • Erscheinungsdatum Erstausgabe: 06.03.2020
  • Gebundene Ausgabe: 465 Seiten
  • ISBN: 978-3966982368
  • Genre: Jugend-Fantasy
  • Empfohlenes Alter: ab 12 Jahren

Veröffentlicht von

Nana Shar

Mit etwas über 40 Jahren auf dieser Welt lebe ich mit meiner Familie und einem Hund in Bayern. Am liebsten lese ich im Moment Romantasy, Jugendbücher, Fantasy, Young Adult und New Adult. Mir gefällt vor allem die Mischung aus Spannung und Romantik. » Alle Beiträge von Nana Shar

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