Winterpause

Winterpause

Oder: Die Besinnung auf die wahren Werte des Buchbloggens

Eine sehr liebe und langjährige Bloggerkollegin-Freundin hat mir die Tage verkündet, dass sie sich aus den sozialen Kanälen, auch WhatsApp, komplett zurückziehen und sämtliche Accounts löschen möchte.

Zugegeben, damit hatte sie mich anfangs doch ziemlich überrascht, konnte aber von Anhieb an ihre Entscheidung total verstehen. Und auch jetzt, nachdem ein paar Tage ins Land gezogen sind, hat mich dieser doch recht radikale Entschluss sehr nachdenklich gemacht.

Ich verstehe ihre Bewegründe total und merke auch, dass da tatsächlich sowas wie ein bisschen Neid aufkeimt. Nein, Neid, ist vielleicht nicht das richtige Wort. Auf jeden Fall Bewunderung und meinen allergrößten Respekt, diesen Schritt zu machen, wo doch die Buchblogger-Szene so sehr von den Social Medias abhängig ist. Manchmal wünschte ich, ich könnte es genauso machen, wie meine Freundin. Aber was hindert mich daran?

Mich hat das total bewegt und sehr nachdenklich gemacht. Ja, es ist tatsächlich so, dass Social Media auch sehr bedrücken kann. Immer dieser Druck, oft und viel zu veröffentlichen, um seine „Follower“ nicht zu enttäuschen.

Es ist nicht alles so rosig und flauschig, wie es die Buchblogger-Szene auf instagram & Co. gerne durch hübsche Bildchen weismachen möchte. Über jeden Schmotz wird sich in 35 Insta-Stories ausgelästert, dass der Hut brennt. Die Grenze der Höflichkeit und des normalen – nein, menschlichen Miteinanders ist längst überschritten. In der Anonymität und der unnahbaren Welt des Internets werden Mauerblümchen zu menschenfressenden Monstern. Die Konsequenzen sind ja nicht am eigenen Leibe „zu spüren“, sondern verpuffen im digitalem Rauschen.

Um so größer die Zahl der Follower, um so mehr fühlen sich diese Buchblogger zum Sprachrohr der vermeintlich ganzen Buch-Leserschaft auserkoren. Es wird radikal kategorisiert, kontroverse Meinungen unter dem Deckmantel „Das kannst du machen wie du willst – aber ich sage wo es langgeht, und wenn es dir nicht passt, dann scroll einfach weiter.“ abgeschmettert – die Kluft zwischen Realität und Social Bashing wird immer größer.

Es wird vorbehaltlos und im großen Rundumschlag verurteilt und jeder weiß in des Anderen Handwerks besser Bescheid. Blogger schreiben den Autoren vor, wie sie ihre Geschichten zu schreiben haben, und werfen ihnen Verantwortungslosigkeit vor, sobald der Geschichtenverlauf oder die Protagonisten von ihrer Wunschvorstellung abweichen. Aber auch Autoren scharen ihre hörigen Schäfchen um sich und wundern sich dann, wenn ehrliche Meinungen ihr Werk stark kritisieren. Aber Halt, sie haben ja ihre Fanbase, die mit harter Wucht für sie in den Social Media Krieg ziehen, alles mit der Absolution der „Meinungsfreiheit“.

Aber dass ein Autor auch nur ein Mensch ist, der Gefühle, Wünsche und Ängste hat, wird dabei geflissentlich übersehen. Denn er wird zum Output-Generator degradiert, und wenn dieser nicht das Gewünschte liefert, wird mit viralem Liebesentzug reagiert. Ich frage mich, ob diese Blogger auch wirklich so im realen Leben einem anderen Menschen gegenübertreten und ins Gesicht sagen würden: „Du bist unsympatisch, weil Du das Buch nicht so geschrieben hast, wie ich es von dir erwarte“. Wer in diesem Bullshit-Bingo als Autor sich kein dickes Fell angewöhnt, wird vom Social-Mob gnadenlos überrannt.

Verantwortung – das ist das Wort, was mir in den letzten Wochen immer wieder entgegen springt. Wer hat die Verantwortung ob mir ein Buch, die Handlung oder der Protagonist gefällt? Wer hat die Verantwortung, ob ich ein Buch lesen möchte? Nein, nicht der Autor. Die Verantwortung liegt ganz alleine bei mir. Ich will ein Buch lesen, weil ich das Genre mag, oder den Schreibstil des Autors. Und wenn ich merke, dass mir die Geschichte nicht passt, dann liegt es ganz allein in meiner Verantwortung, dieses Buch abzubrechen und vielleicht auch das Genre zu wechseln – und nicht, weil mir das irgendjemand vorschreibt.

Nicht, dass Ihr mich falsch versteht. Ich kenne sehr viele Buchblogger, die ihr Hobby durch das Betreiben eines Blogs aufpeppen und mit Liebe und Hingabe Bücher lesen und Rezensionen schreiben. Ich kenne auch viele Autoren, die aus einem Hobby einen Beruf, eine Passion gemacht haben und ebenso mit Leidenschaft ihre Geschichten erzählen und uns in fremde Welten entführen möchten. Die aber auch Entscheidungen treffen müssen, die für die Leserschaft nicht immer rosig ausfallen können. Welche Faktoren auch immer dafür eine Rolle spielen, das wahre Leben spielt dabei immer die Größte.

Viele Worte – klarer Sinn. Ich habe beschlossen, über die Weihnachtsfeiertage bis zum 6. Januar 2020 mir eine „Social Media Auszeit“ zu gönnen. 2 Wochen, in denen ich mich wieder mehr auf mich und meine Familie besinnen möchte. Mich mehr mit meinen Kindern beschäftigen und meine Bücher lesen werde. Meine Rezensionen schreibe und den Blog mal wieder etwas auf Vordermann bringe. Eine Zeit, in der ich mich bewusst von instagram, Facebook & Co distanziere und auf die wahren Werte meines Bloggerdaseins besinnen möchte: Spaß an meinem Hobby haben.

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Also, in diesem Sinne, wünsche ich Euch Allen ein frohes Weihnachtsfest und besinnliche Feiertage. Einen guten Rutsch ins neue Jahr und bis bald wieder, Eure Nana Shar.

Veröffentlicht von

Nana Shar

Mit etwas über 40 Jahren auf dieser Welt lebe ich mit meiner Familie und einem Hund in Bayern. Am liebsten lese ich im Moment Romantasy, Jugendbücher, Fantasy, Young Adult und New Adult. Mir gefällt vor allem die Mischung aus Spannung und Romantik. » Alle Beiträge von Nana Shar

2 Gedanken zu „Winterpause“

  1. Das ist wahrlich eine gute Entscheidung. Ich habe schon so oft gehört, dass auf Instagram so gemobbt wird. Finde ich unfassbar. Auf dem Blog ist mir so etwas noch nicht aufgefallen. Habe ich auch von anderen Bloggern nicht gelesen. Ich bewege mich überhaupt nicht auf den Socials mit meinem Blog, oder Büchern. Am Anfang hatte ich mal Twitter und Facebook ausprobiert – aber da ich da nicht so aktiv war, blieb auch alles aus. Das habe ich dann auch gecancelt. Ich will bei meinem Hobby nicht angefeindet werden.
    Vielleicht kannst du dich durch die Auszeit aus diesem Moloch herausziehen.

    Ich wünsche dir ein frohes Fest im Kreise deiner Liebsten und viel Spass beim Lesen.

    1. Hey,

      vielen Dank für Dein Kommentar. Es gibt auch viele schöne Seiten von instagram und Co. Ich bin schon gerne dabei. Aber manchmal braucht man einfach eine Pause um sich auf das Wichtigste zu besinnen. Dann macht es auch wieder Spaß!

      Auch Dir ein frohes Fest und besinnliche Tage!
      Deine Nana Shar

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