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Rezension: Vergissmeinnicht – Was man bei Licht nicht sehen kann (Band 1)

Kerstin Gier "Vergissmeinnicht - Was man bei licht nicht sehen kann (Band 1)" ©2021 S. Fischer Verlage
Kerstin Gier „Vergissmeinnicht – Was man bei Licht nicht sehen kann (Band 1)“ ©2021 S. Fischer Verlage

Leider etwas zu vorhersehbar und zu unspektakulär und ohne große Überraschung

Die Edelsteintrilogie und Silbersaga habe ich schon vor Jahren verschlungen, bevor ich Rezensionen geschrieben habe, und waren gefühlt meine ersten Romantasy/Jugend-Fantasy Bücher – außer Harry Potter natürlich. Die Edelsteine fand ich super toll, Silber habe ich geliebt! Deswegen war ich super gespannt auf die neue Reihe von Kerstin Gier, deren erster Band nun Ende September erscheint. Über Netgalley durfte ich nun schon vorab das Buch lesen und bedanke mich dafür sehr beim Team der S. Fischer Verlage.

Coverbild

Auf schwarzem Hintergrund sind sehr viele Ornamente, Ranken und Tiere in hellen und kräftigen Farben verteilt. Im oberen Viertel ist unter dem Autorenname ein Skelettschädel gezeichnet, in der Mitte steht in einer verspielten Serife der Buchtitel “Vergiss mein nicht”. Der Untertitel “Was man bei Licht nicht sehen kann” steht in einer geschwungenen Banderole im unteren Viertel. Die Ausführung der Zeichnungen und des gesamten Covers ist sehr filigran und vor allem sehr detailreich. In jeder Ecke entdeckt man neue Strukturen oder die Gestalt eines Tieres., für das sich die Illustratorin Eva Schöffmann-Davidov verantwortlich zeigt. Unglaublich schön!

Handlung

Der 17 jährige Quinn hat einen heftigen Unfall, bei dem er gerade noch dem Tod von der Schippe gesprungen ist. Aber seit dem passieren merkwürdige Dinge und er hat plötzlich übernatürliche Fähigkeiten. Er kann überall lebendige Gesichter sehen, hat ein Supergehör oder kann im Dunkeln sehen. Um diesen Rätseln auf den Grund zu gehen, bleibt dem im Rollstuhl sitzenden Quinn nichts anderes übrig, als sich mit der 16 jährigen Matilda, die Tochter der verhassten überchristlichen Nachbarn, zusammen zu tun. Dabei treffen sie auf Professor Cassian, der überraschenderweise mehr über Quinns leiblichen Vater weiß. Natürlich will Quinn dem Geheimnis auf die Spur kommen. Matilda, die gerne Fantasy-Romane liest und Quinn ihre heimliche Liebe ist, ist Feuer und Flamme und kann ihm bei seinen fantastischen Rätseln helfen.

Buchlayout / eBook

Die 400 eBook-Seiten wurden in 32 Kapitel aufgeteilt, die abwechselnd aus Quinns und Matildas Perspektive geschrieben sind. Jedes Kapitel wird nur mit dem Namen der Perspektive eingeleitet, die Initiale des Namens wird darüber mit einer kleinen Zeichnung besonders hervorgehoben. Bei Quinn ist es ein Oktopus, bei Matilda ein Vergissmeinnicht Blümchen. Ansonsten bleibt das eBook recht schlicht. Am Ende gibt es noch ein Personenverzeichnis und ein sehr kurzes Nachwort.

Idee / Plot

Die Idee, dass das Jenseits eine weitere Dimension der Welt ist und die Fabelwesen von der Erde in diese Dimension verbannt wurden, hat mir gut gefallen, ist aber nicht so ausgefallen, wie ich es von Kerstin Gier erwartet hätte und habe ich in verschiedenen Varianten schon so ähnlich gelesen. Auch, dass der ahnungslose Junge in das Abenteuer geschmissen wird, die neue Welt und seine Fähigkeiten erst entdecken, und dann auch trainieren muss, ist irgendwie nicht mehr neu. Tatsächlich enttäuscht es mich ein wenig, wo doch Kerstin Gier eigentlich immer sehr fantastische und neuartige Ideen hat. Mir gefällt die Idee des Traumkorridors von Silber wesentlich besser!

Leider erinnerten mich auch einige Details an schon Dagewesenes. Geister, sprechende Figuren, und noch weitere Dinge, die ich wegen Spoiler nicht aufführen kann. Vor allem die ganz vielen neuartigen Fabelwesen kamen in so gehäufter Form vor, dass es mir zu viel war. Mir ist klar, dass man das Rad nicht neu erfinden kann, aber es sind sehr viele Fantasyelemente so gehäuft, was auf mich eher etwas erzwungen wirkt, um irgendwie “fantastisch(er)” zu sein.

Emotionen / Protagonisten

Mit den Emotionen und Protagonisten hatte ich meine größten Probleme. Wie von Kerstin Gier gewohnt waren die ersten Aufeinandertreffen recht amüsant. Die Entwicklung der Romanze zwischen den beiden aber konnte ich überhaupt nicht nachvollziehen. Ich konnte zu beiden keine Bindung aufbauen und die sich anbahnenden Gefühle nicht nachempfinden, die ganze Entwicklung wirkte auf mich leider etwas hölzern und konstruiert. Plötzlich war die schräge Matilda von den verkorksten Nachbarn “süß”. Eigentlich sind die Beiden junge Erwachsene, verhielten sich aber leider wie 12-14 Jährige. Natürlich bahnte sich zwischen den beiden ein Konflikt an, der aber von Anfang an so vorhersehbar war, und dann in dem Moment, als er auf den Tisch kam, auch wieder so schnell verpufft war, als wäre nichts gewesen.

Handlungsaufbau / Spannungsbogen

Der Anfang war sehr spannend und aufregend und wir erlebten hautnah Quinns Unfall mit. Das hat mir sehr gut gefallen, da Kerstin Gier sich nicht mit einer langen Einleitung aufhielt, sondern uns direkt in das Geschehen schmiss. Danach baute sich die Handlung langsam aber stetig auf – leider blieb es dann auch dabei. Es gab keine wirklichen großen Höhepunkte mehr, sieht man mal vom Showdown mit einem kleinen Plottwist ab, der aber für mich den Spannungsbogen nicht mehr groß herausreißen konnte – leider. 

Das größte Problem hatte ich, dass mir der Großteil an Handlung durch die Protagonisten nur erzählt wurde, anstatt dass ich es selber miterleben konnte. Das ergibt sich meiner Meinung nach durch die unglücklich ausgeführte Doppelperspektive zwischen Matilda und Quinn.

Szenerie / Setting

Die Geschichte spielt in einer deutschen Stadt, wobei nie klar erwähnt wurde, welche – was auch nicht wichtig ist. Kerstin Gier hat aber ein besonderes Talent, die Umgebung und Szenerie bildhaft und präsent darzustellen, ohne überschwänglicher Ausführungen. Ich konnte mir alles super vorstellen.

Sprache / Schreibstil

Sprachlich ist Kerstin Gier natürlich einfach toll. Obwohl ich ab der Hälfte den etwas charmant-sarkastischen Humor vermisst habe, den ich von ihr gewohnt bin, schreibt sie flüssig und ohne große Längen. Bei der wechselnden Perspektive habe ich das Gefühl, dass sie sich keinen Gefallen damit getan hat. Einige Szenen musste der Ich-erzählende Protagonist dann im Rückblick erzählen und damit konnte sehr wenig Situationskomik und -spannung aufgebaut werden, für was Kerstin Gier eigentlich bekannten ist.

Meine Bewertungen
  • Coverbild
  • Buchlayout (eBook)
  • Idee / Plott
  • Emotionen / Protagonisten
  • Handlungsaufbau / Spannungsbogen
  • Szenerie / Setting
  • Sprache / Schreibstil
3.4

Kurzfassung

Es ist eine schön geschriebene Fantasy-Geschichte für jüngere Leserinnen und Leser, obwohl mir dafür trotzdem zu wenig Spannung vorhanden, die Handlung mir etwas zu vorhersehbar und die Romanze etwas zu konstruiert war. Ich habe das Buch gerne gelesen, die Idee an sich ist toll und Kerstin Gier schreibt einfach toll. Leider konnte mich der Auftakt dieser Reihe aber nicht so überzeugen, wie Silber oder die Edelsteintrilogie.



  • Kerstin Gier (Autor), Eva Schöffmann-Davidov (Illustratorin)
  • eBook: 1726 (400 Seiten)
  • Herausgeber: FISCHER E-Books (September 2021)
  • ASIN: B0942X4VKS
  • Genre: Jugend-Fantasy


Veröffentlicht von

Nana Shar

Mit etwas über 40 Jahren auf dieser Welt lebe ich mit meiner Familie und einem Hund in Bayern. Am liebsten lese ich im Moment Romantasy, Jugendbücher, Fantasy, Young Adult und New Adult. Mir gefällt vor allem die Mischung aus Spannung und Romantik. » Alle Beiträge von Nana Shar

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