Buchrezension Bild: vecteezy by MoonStarer, Font: ShellaheraScriptDemo.otf by Ryan Prasetya (DaFont)

Rezension: Blood & Ash (Liebe kennt keine Grenzen 1)

Jennifer L- Armentrout "Blood & Ash – Liebe kennt keine Grenzen 1" ©2021 Heyne Verlag (Penguin Random House Verlagsgruppe GmbH)
Jennifer L. Armentrout “Blood & Ash – Liebe kennt keine Grenzen 1” ©2021 Heyne Verlag (Penguin Random House Verlagsgruppe GmbH)

Großes Kino! Prickelnde Lovestory in einem klasse Fantasy-Setting

Das Erste, was ich von dem Buch gehört hatte, war die Kritik einer meiner liebsten Buchfreundinnen, die es nach dem ersten Drittel abgebrochen hatte, weil sie es langweilig fand. Da ich von meinem letzten Armentrout Dunkelglanz – Obsession recht enttäuscht war (eher ein Bumsbuch als ein Spin-off von meiner geliebten Obsidian-Reihe), traute ich mich nicht an dieses heran. Aber meine Tochter wünschte es sich zu Weihnachten und war super begeistert. Also, habe ich es mir doch noch mal zur Brust genommen und muss sagen, es hat mich ebenso begeistert – übrigens meine Buchfreundin dann auch, die es daraufhin doch noch beendete.

Und ja, es ist mir klar, warum dieses Buch teilweise auf extrem widersprüchliche Resonanz stößt. Ich bin begeistert, sehe aber, dass in Amerika, oder bzw. eher bei der Autorin der merkwürdige Trend des dermaßen übertriebenen Aufschreis nach absolut antitoxische und gewaltfreie Romance-Literatur noch nicht angekommen ist – oder sie es bewusst umgangen hat? Ja, mir gefällt diese Story, ich bin aber auch gefestigt und kann literarische Fiktion von erträumter Realität unterscheiden. Wer gerne die Trigger- oder Toxik-Keule schwingt, sollte sich dieses Buch einfach nicht antun – und vielleicht meine Rezension auch nicht.

Coverbild

Das Cover ist wie bei einem typischen High-Fantasy-Buch. Auf einem recht dunklen, Holz anmutenden Hintergrund mit blutroten Ahornblättern dazwischen, liegen überkreuzt ein Dolch und ein Pfeil. Mittig in großen Lettern ist der Buchtitel in einer plastisch hervorgehobenen Serife gesetzt. Der Autorenname steht oben drüber, der Reihentitel darunter. Es ist eine gute Arbeit, aber meiner Meinung nach jetzt nichts besonderes. Der gezeigte Inhalt passt aber zu den Elementen aus der Story.

Handlung

Penellaphe lebt am Hofe des Herzogpaares Teerman und anderen Aufgestiegenen, die durch die Gunst der Götter von Sterblichen zu höheren Wesen aufgestiegen sind. Ihre Eltern hat sie als junges Mädchen bei einem Überfall von Kreaturen, den Hungernden, verloren und viele Narben davon getragen. Aber deswegen muss sie nicht ihr Gesicht verhüllen, sondern weil sie die Auserwählte ist, die niemand bis zu ihrem Aufstiegsritual weder berühren noch sehen darf, geschweige denn überhaupt Kontakt zu ihr haben darf, außer ihre beiden Leibwächter und ihrer Zofe Tawny. Denn der dunkle Prinz, ein Sohn des verfeindeten Königpaares des untergegangenen Reiches Antlantia, trachtet nach ihrem Leben. Als dunkle Nachkommen, die Anhänger des dunklen Prinzen, ihren Leibwächter Rylan umbringen, tritt der Mädchenschwarm Hawke als neuer Leibwächter in ihr Leben, der sie von Anfang an ganz anders behandelt. Er nimmt sie in ihren Bedürfnissen ernst und erweckt neue Emotionen in ihr.

Buchlayout

Das Buch umfasst ganze 666 Seiten, die in 41 Kapitel aufgeteilt sind. Jedes Kapitel wird mit der Nummer in einer gezeichnete Banderole gesetzt, die ersten Wörter des Kapitels sind in Versalien. Ansonsten bleibt die Klappenbroschur schmucklos. Ich vermisse zumindest ein Glossar, in dem ein bisschen die unterschiedlichen Völker und Wesen beschrieben werden, da es zu Anfang doch arg verwirrend ist.

Idee / Plot

Die Idee ist ansich nicht wirklich neu. Ein unwissendes Mädchen entdeckt die grausame Welt, das Böse ist vielleicht gar nicht so schlecht, obwohl es auch Blut an seinen Händen trägt. Besonders hervorzuheben ist aber die unterschwellige Kritik, die Armentrout hier herausgearbeitet hat. Das blinde Verfolgen einer machthabenden Spezies, die das Volk mit Lügen und Intrigen klein hält und von sich abhängig macht. Eine Spezies, das das Volk auf religiöse, ja sogar sektenhafte Art und Weise blind in ihr Verderben rennen lässt und ihr Tun und Handeln auf verlogene Traditionen stützt, nur um sich selber zu bereichern und am Leben zu erhalten.

Emotionen / Protagonisten

Okay, Poppy steht manchmal eeeecht auf der langen Leitung. Es gab viele Anzeichen, die dem Leser einiges auch schon klarer sehen haben lassen, als der Protagonistin – aber irgendwie macht das auch den Charme der Geschichte aus. Einerseits ist sie enorm naiv, da sie auch durch ihren Status sehr unterdrückt und klein gehalten wird und bisher keine Erfahrung sammeln konnte. Andererseits hat sie auch starke Seiten. Sie lässt sich von ihrem Leibwächter in Bogenschießen und Nahkampf ausbilden und beginnt heimliche Ausflüge in die Umgebung, um aus ihrem Käfig auszubrechen und irgendwie einen Hauch von Lebendigkeit zu spüren. Ich finde das schon tough und bewundernswert, weil sie dann trotzdem immer wieder in Fettnäpfchen stolpert. Als Die Jungfräuliche hat sie natürlich keinerlei Erfahrung in Sachen Liebe und den Bedürfnissen, denen eine junge Frau normalerweise in dem Alter nachspüren möchte. Deswegen fand ich es besonders schön, wie sie ihre eigenen Bedürfnisse entdeckt. Und, ja klar, verknallt sie sich in den verdammt attraktivsten Kerl am ganzen Hof – ist schon klar, dass so ein Roman auch nicht ganz ohne Klischees auskommt. 

Hawke ist einfach nur – wow! Klar, spannen wir Leser schon, wer er eigentlich ist, aber das macht das Ganze ja auch unglaublich witzig, seine Sprüche und ihr Schlagabtausch, da Poppy auch nicht auf den Mund gefallen ist. Poppy ist ja auch manchmal so arglos und übersieht einfach prompt alle Hinweise und ja, auch Alarmglocken. Und zwischen den beiden knistert es gewaltig – Huuuiiii!

Handlungsaufbau / Spannungsbogen

Mit dem Spannungsbogen muss ich meiner lieben Buchfreundin recht geben, das erste Drittel ist unheimlich langatmig und es wird erst mal ihr Leben am Hof erzählt. Dabei wird auch gar nicht darauf eingegangen, ob der Leser die Zusammenhänge versteht, sondern erst mal alles so in den Raum geworfen. Ich weiß auch nicht, ob man das hätte besser machen können, aber ich verstehe, warum Armentrout hier am Anfang eher seicht ist, um einfach die Offenbarung, die Poppy dann durchmacht, besser verstehen zu können. Ab einer bestimmten Schlüsselszene geht das Buch voll ab und der Spannungsbogen schraubt sich von Kapitel zu Kapitel in die Höhe und immer mehr Zusammenhänge werden klarer. Es war vieles voraus erahnbar als Leser, aber deswegen war es um so spannender mitzuerleben, wie der Groschen bei Poppy fällt.

Szenerie / Setting

Es ist ein Fantasy-Setting mit den typischen altertümlichen Elementen. Ich habe recht spät geschnallt, dass es sich um Vampire handelt, aber insgesamt fand ich den Weltenaufbau sehr gelungen. Gerade, weil vieles nicht so stumpf offensichtlich war.

Sprache / Schreibstil

Sprachlich hat es mir gut gefallen, und Armentrout konnte mir alles gut bildlich und vor allem fesselnd darstellen. Die Geschichte ist in der Ich-Perspektive aus Penellaphes Sicht im Präteritum geschrieben. Es lässt sich super flüssig lesen, obwohl es im ersten Drittel noch nicht so recht in Schwung kommt.

Die expliziten Stellen fand ich enorm gut geschrieben. Ich habe auch schon anderes von Armentrout gelesen und war nicht so begeistert. Aber hier muss ich ehrlich sagen, fand ich es wirklich gut, mit sehr viel Feingefühl und auch so, dass sich auch die Frau das holt und einfordert, was sie möchte. Trotz aller Triebe hat er immer darauf geachtet, dass er nicht weiter geht als sie es ihm erlaubt.

Meine Bewertungen
  • Coverbild
  • Buchlayout (eBook)
  • Idee / Plott
  • Emotionen / Protagonisten
  • Handlungsaufbau / Spannungsbogen
  • Szenerie / Setting
  • Sprache / Schreibstil
4.1

Kurzfassung

Große Überraschung! Trotz anfänglich etwas schwierigem Einstieg holt das Buch gegen Ende alles aus sich raus und hat mich richtig überrascht! Toller Sprachstil in einem großartigen Setting und einer aufregenden und prickelnden Liebesgeschichte. Ganz großes Kino! Ich muss unbedingt wissen, wie es weitergeht, deswegen habe ich Band 2 jetzt auf Englisch angefangen.



  • Jennifer L. Armentrout (Autor), Sonja Rebernik-Heidegger (Übersetzer)
  • Klappbroschur: 672 Seiten
  • Heyne Verlag; Deutsche Erstausgabe Edition (12. Juli 2021)
  • ISBN: 978-3453321410
  • Genre: Romantasy, Jugend-Fantasy


Veröffentlicht von

Nana Shar

Mit etwas über 40 Jahren auf dieser Welt lebe ich mit meiner Familie und einem Hund in Bayern. Am liebsten lese ich im Moment Romantasy, Jugendbücher, Fantasy, Young Adult und New Adult. Mir gefällt vor allem die Mischung aus Spannung und Romantik. » Alle Beiträge von Nana Shar

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.