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    Rezension: Love Wanted – oder wie werde ich meine Familie los.

    Rezension: Love Wanted – oder wie werde ich meine Familie los.

    Jesse Q. Sutanto “Love Wanted – oder wie werde ich meine Familie los” ©2021 Aufbau Verlag
    Jesse Q. Sutanto “Love Wanted – oder wie werde ich meine Familie los” ©2021 Aufbau Verlag

    Spritzig, frech und mit genau der richtigen Prise an schwarzem Humor

    Der Klappentext bei diesem Buch klingt super spannend und deswegen habe ich bei Netgalley gerne ein Rezensinexemplar angefragt, obwohl ich die Autorin noch nicht kannte.. Ich danke dem Aufbau-Verlag für das Vertrauen.

    Coverbild

    Auf einer rot gestrichenen Mauer als Hintergrund steht  in großen gelben Lettern der Buchtitel bei dem sich in den einzelnen Buchstaben vier gemalte weibliche Köpfe oder Oberkörper. Darunter sieht man in kräftigem Gelb und Rot gemalt ein Frauenporträt mit Sonnenbrille und Sommerhut. Das Cover vermittelt sehr gut den humorvollen Inhalt der Geschichte und gefällt mir sehr gut.

    Handlung

    Meddy arbeitet als Fotografin mit ihren drei Tanten und ihrer Mutter gemeinsam in dem Familienunternehmen, eine Hochzeitsagentur. Kurz vor einem riesengroßen Auftrag passiert Meddy ein blöder Unfall mit einem Blind Date, das dabei umkommt. Hilfesuchend wendet sie sich an ihre Mutter, die gleich ihre Schwestern mit einbezieht und gemeinsam versuchen sie die Leichte zu entsorgen. Doch leider geht dabei einiges schief vor allem als dann auch noch Meddys große Liebe Nathan, den sie ihrer Familie zuliebe vier Jahre zuvor verlassen hat, auftaucht und ihr und ihrem Geheimnis gefährlich nahe kommt.

    Buchlayout / eBook

    Eingeführt wird das knapp 400 Seiten starke Buch zunächst mit einem Vorwort der Autorin, um ein besseres Verständnis für die Charakter und Umstände zu erhalten. Nach dem Prolog wird die Geschichte in 3 Teile aufgeteilt mit insgesamt 34 Kapiteln und einem Epilog ohne weitere Ausschmückung oder Kapitelüberschriften.

    Idee / Plot

    Wie wird man eine Leiche los, die man ungewollt getötet hat und dabei als 26 Jährige in einer sehr stark traditionell geprägten Familie aufwächst und der sich hartnäckig die Legenden von Jahrhundert alten Flüche halten? Es ist eine köstlich komische Idee, die Jesse Q. Sutanto hier zu Papier gebracht hat. Nicht nur das Aufeinanderknallen der verschiedenen Kulturen, chinesische Indonesier in Amerika, aber auch das Aufeinanderprallen der unterschiedlichen Persönlichkeiten und Rivalitäten innerhalb der 5 Frauen. Natürlich spielt Sutanto geschickt mit den allgemein vorherrschenden Klischees, die sie sehr bewusst einsetzt und trotzdem nicht zu dick aufträgt.

    Emotionen / Protagonisten

    Meddy hat mir gut gefallen. Sie lebt mit 26 Jahren immer noch bei ihrer Mutter, da sie sich ihr und den Tanten sehr verbunden, was vor allem auch an dem traditionsbewussten Leben der vier Frauen liegt. Aber man merkt hervorragend, wie sehr sie auch darunter leidet. Wegen ihrer Familie hat sie auch ihre große Liebe verlassen. Ich kann auch ihre emotionale Zwickmühle absolut nachvollziehen.

    Ihre Mutter und Tanten sind liebenswert aber schräg zugleich. Das Band der Familie wird ganz stark hochgehalten und ein bisschen setzen sie Meddy damit natürlich unter Druck. Deswegen ist es einfach schön mitzuerleben, wie sie im Laufe der Geschichte sich weiterentwickelt und erkennt, was für sie das Beste ist.

    Handlungsaufbau / Spannungsbogen

    Es geht gleicht in einem großen Wirrwarr los und anfangs habe ich ein bisschen gebraucht um die fünf Frauen auseinanderhalten zu können. Trotzdem ist es absolut lustig und doch auch aufregend, wie die Mutter ihr das Blind Date aufschwatzt und dabei alles falsch verstanden hat. Das Desaster geht auch gleich weiter und Sutanto hat es verstanden mit geschickt eingeflochtenen Rückblicken eine konstante Spannung aufzubauen. Man leidet und fiebert mit Meddy und hat selber keine Ahnung, wie der große Knoten wieder gelöst werden soll und wie Meddy und ihre Tanten aus diesem Schlamassel wieder entkommen können.

    Szenerie / Setting

    Amerika, das Land der Träume mit milliardenschweren Hochzeiten und High-Society-Parties. Mittendrin fünf asiatische Frauen, deren Vorfahren eine dramatische Familiengeschichte hinter sich hat mit Flucht, Fremdenfeindlichkeit und einem vermeintlichen Fluch. Fünf Frauen, die sich vom klassischen “Tellerwäscher” zu einer erfolgreichen Hochzeitsagentur hochgearbeitet hat. Es ist das Land der Kontraste und ich bin begeistert, wie Sutanto all diese Fäden mit einem für mich absolut passenden schwarzen Humor zusammengeführt und verknüpft hat.

    Sprache / Schreibstil

    Sutanto hat einen durch und durch erfrischenden Sprachstil mit genau der richtigen Prise an Humor und Ausdruckskraft. Besonders gefallen hat mir auch das Spiel mit dem Kommunikationsproblem und unterschiedlichen Sprachen. Zum Einen baut Sutanto die Übersetzungen von Fremdwörtern geschickt im Dialog ein, zum anderen lässt sie herrlich komische Situationen und Missverständnisse entstehen, die durch die Sprachbarrieren zwischen den fünf Frauen immer wieder entstehen.

    Jesse Q. Sutanto “Love Wanted – oder wie werde ich meine Familie los” ©2021 Aufbau Verlag
    Jesse Q. Sutanto “Love Wanted – oder wie werde ich meine Familie los” ©2021 Aufbau Verlag

    Copyright: © 2021 Jesse Q. Sutanto, Aufbau Verlag
    Covergestaltung: www.buerosied.de
    » Jesse Q. Sutanto bei Aufbau Verlag
    » Jesse Q. Sutanto Homepage

    • Jesse Q. Sutanto (Autor)
    • eBook: 937 (401 Seiten)
    • Herausgeber: Aufbau Digital; 1. Edition (1. Oktober 2021)
    • ASIN: B093161JM8
    • Genre: Liebesroman, Humor
    Spritzig, frech und mit genau der richtigen Prise an schwarzem Humor










    • Coverbild










    • Buchlayout (eBook)










    • Idee / Plott










    • Emotionen / Protagonisten










    • Handlungsaufbau / Spannungsbogen










    • Szenerie / Setting










    • Sprache / Schreibstil

    4.4









    Zusammenfassung

    Ein absolutes Highlight! Spritzig, frech und mit genau der richtigen Prise an schwarzem Humor – genau mein Geschmack! Ich bin begeistert von der Geschichte, von der Sprache und von der Entwicklung der Protagonisten.

    Nana Shar

    Mit etwas über 40 Jahren auf dieser Welt lebe ich mit meiner Familie und einem Hund in Bayern. Am liebsten lese ich im Moment Romantasy, Jugendbücher, Fantasy, Young Adult und New Adult. Mir gefällt vor allem die Mischung aus Spannung und Romantik.

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    Rezension: 15 Gründe dich zu hassen

    Rezension: 15 Gründe dich zu hassen

    Ana Woods “15 Gründe dich zu hassen” ©2021 Planet! by Thienemann-Esslinger Verlag
    Ana Woods “15 Gründe dich zu hassen” ©2021 Planet! by Thienemann-Esslinger Verlag

    Vielversprechende Idee mit leider einigen Schwächen in der Umsetzung

    Von der Autorin Ana Woods hatte ich bisher noch kein Buch gelesen. Der Klappentext klang aber sehr vielversprechend und ich danke dem Thienemann-Esslinger Verlag und Netgalley Deutschland für das vertrauen und die Möglichkeit dieses Buch, lesen zu dürfen.

    Coverbild

    Auf dem gesamten Bild verteilen sich in groben Pinselstrichen gemalte Blüten und Blätter, dazwischen findet man goldene Sprenkel. Das Ganze ist einem selbstgebastelten Geschenkpapier nachempfunden, was durch aufgedruckte Knicke im Papier und der Leinenkordel noch unterstützt wird. Die dafür verantwortliche Grafikdesignerin Sandra Taufer ist mir bisher noch nicht bekannt gewesen. Das Cover ist kindlich verspielt aber eher für einen spritzigen und frechen Liebesroman geeignet, den ich hier nicht vorgefunden habe.

    Handlung

    Alice lebt mit ihren beiden jüngeren Geschwistern und ihrem Vater neben ihrem aus Kindheitstagen besten Freund Tyler, die auch gemeinsam die gleiche Schule besuchen und kurz vor ihrem Highschool-Abschluss stehen. Bei einem Psychologie-Projekt gehen beide das Experiment ein, gegenseitig 15 Gründe zu finden, die sie am Anderen stören, und diese auch emotional zu hinterfragen. Von ihren Freunden angestachelt, beginnt Alice auch noch Jungs zu daten. Dadurch beginnt die Freundschaft zwischen ihr und Tyler eine ganz andere Richtung zu nehmen. Zu guter Letzt hält sich Tyler nicht an ein Versprechen.

    Buchlayout / eBook

    Das Buch ist 320 Seiten dünn und wird in 21 Kapitel und Epilog aufgeteilt, die ohne Ausschmückung oder Kapitelüberschriften bleiben. Ansonsten ist das eBook schlicht ohne weitere Zusätze.

    Idee / Plot

    Die Idee fand ich schon super spannend. Eine lange Freundschaft wird auf eine harte Probe gestellt, in dem Moment, wo man sich die Macken und Fehlverhalten des Anderen vergegenwärtigt und analysiert. Auch das Reflektieren über die eigene Gefühlswelt ist ein spannender Ansatz, der hier leider nicht so ganz ausgearbeitet wurde. Ich hatte zwar keine große Erwartungen, aber doch gehofft, dass es eine etwas verzwickte und emotionale Geschichte wird.

    Emotionen / Protagonisten

    Am meisten Probleme hatte ich mit den Protagonisten, allem voran Alice. Ich konnte zu ihr überhaupt keinen Zugang aufbauen und sie nicht in ihren Entscheidungen und Empfindungen verstehen. Sie hat für mich kaum Reflexion in ihrem Handeln, genauso wenig wie ich wirkliche Gefühlsregungen erkennen konnte. Sie erzählt zwar viel, hält viel inneren Monolog, ich kann dabei aber keine wahren Gefühle herauslesen. Sie wirkte auf mich streckenweise auch sehr naiv und engstirnig.

    Deswegen konnte ich ihr Handeln oft nicht nachvollziehen. Das Gleiche gilt auch für Tyler, der insgesamt recht blass bleibt, da mir auch hier durch die Protagonistin kaum Emotionen transportiert werden konnte. Da sind keine Funken gewesen, keine Spannung, die ich gerne zwischen den Beiden gefühlt hätte.

    Handlungsaufbau / Spannungsbogen

    Die Handlung ist sehr linear aufgebaut und hat keine großen Wendungen. Es ist von Anfang an klar, wie sich die Lovestory zwischen Tyler und Alice entwickeln wird. Die Autorin hat zwar versucht ein paar Konflikte und Plottwists einzubauen, hat aber meiner Meinung nach es nicht geschafft, diese geschickt in den Handlungsstrang zu integrieren oder weiter auszuarbeiten. Es bleibt für mich oberflächlich und recht langweilig. Da fehlt mir einfach die Reflektion, der Weg zur Erkenntnis, der Blick in die wirkliche innere Gefühlswelt. Jeder Konflikt, der sich aufgebaut hat, war 3 Seiten später wieder geklärt. Vor allem bleibt die Autorin mir die Erklärung schuldig, warum Tyler überhaupt Alice so enttäuscht hat. Seitenweise hasst Sie Tyler, und plötzlich, und das durch einen wirklich sehr offensichtlichen und für mich total überflüssigen Schlüsselmoment (Alladin-sei-Dank), springt sie auf und fällt Tyler in die Arme. That’s it. Keine Erklärung, warum.

    Szenerie / Setting

    Leider ist das Setting voller Klischees. Nicht nur, dass die Schwestern alle wie eine Disney-Prinzessin heißen, sondern auch das klassische Highschool-Setting mit der typischen Personenkonstellation: der überdrehten besten Freundin und dem blassen besten Kumpel und dem Bücherwurm als Protagonistin, der nur gute Noten wichtig sind. Das Psychologie-Experiment war ein netter Nebenschauplatz, konnte aber nichts Entscheidendes zur ganzen Story beitragen und wirkte auf mich recht konstruiert.

    Sprache / Schreibstil

    Die Geschichte wird aus Alice’ Perspektive als Ich-Erzähler im Präteritum erzählt. Neben recht häufigen Wortwiederholungen von vor allem “Doch” als Satzanfang und “sodass” , wird die Handlung mehr erzählt, anstatt mir durch Handlung gezeigt. Das unterstützt der für mich doch recht berichtartige und hölzerne Charakter der Erzählung.

    Ana Woods “15 Gründe dich zu hassen” ©2021 Planet! by Thienemann-Esslinger Verlag
    Ana Woods “15 Gründe dich zu hassen” ©2021 Planet! by Thienemann-Esslinger Verlag

    Copyright: © 2021 Ana Woods, Planet! by Thienemann-Esslinger Verlag
    Covergestaltung: Sandra Taufer unter Verwendung von Bildern von Julia Karo/Shutterstock.com; Phatthanit/Shutterstock.com; nuttakit/Shutterstock.com; Emma Make/Creative Market
    » Ana Woods bei Thienemann-Esslinger Verlag
    » Ana Woods Homepage

    • Ana Woods (Autor)
    • eBook: 3021 (320 Seiten)
    • Herausgeber: Planet!; 1. Edition (24. August 2021)
    • ASIN: B0934NZHKY
    • Genre: Liebesroman, Young-Adult
    Vielversprechende Idee mit leider einigen Schwächen in der Umsetzung










    • Coverbild










    • Buchlayout (eBook)










    • Idee / Plott










    • Emotionen / Protagonisten










    • Handlungsaufbau / Spannungsbogen










    • Szenerie / Setting










    • Sprache / Schreibstil

    2.4









    Zusammenfassung

    Die Idee klang spannend und vielversprechend, leider konnte die Ausarbeitung mich nicht überzeugen. Streckenweise hölzerne und naive Protagonisten ohne Tiefe und innerer Reflexion in einer recht linearen und unaufregenden Storyline in einem Setting mit stumpfen und überholten Klischees.

    Nana Shar

    Mit etwas über 40 Jahren auf dieser Welt lebe ich mit meiner Familie und einem Hund in Bayern. Am liebsten lese ich im Moment Romantasy, Jugendbücher, Fantasy, Young Adult und New Adult. Mir gefällt vor allem die Mischung aus Spannung und Romantik.

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    Rezension: Glitterschnitter

    Rezension: Glitterschnitter

    Sven Regener “Glitterschnitter” ©2021 Kiepenheuer & Witsch
    Sven Regener “Glitterschnitter” ©2021 Kiepenheuer & Witsch

    Zeitreise in eine skurrile Sozialsatire der 80er

    Der Autor Sven Regener ist mir als Name zwar bekannt, aber bisher hatte ich noch nichts von ihm gelesen. Da ich meinen Genre-Horizont wieder etwas erweitern möchte, habe ich mich über die Zusage von Netgalley sehr gefreut und möchte mich dafür beim Kiepenheuer & Witsch Verlag herzlich bedanken.

    Coverbild

    Auf schwarzem Hintergrund sind sehr viele Ornamente, Ranken und Tiere in hellen Als Cover dient ein farbgewaltiges Bild der Künstlerin und Grafikdesignerin Rike Weiger aus Berlin. Es zeigt in schnellen und kräftigen Pinselstrichen die Fassade des im Roman beschriebenen ehemaligen Friseursalon “Intimfrisur”. Es ist ein eindrucksvolles Bild und spiegelt für mich das verwirrende und skurrile Setup des ganzen Romans wieder.

    Handlung

    Die berliner Musikband Glitterschnitter möchte unbedingt auf der Wall City Noise teilnehmen und versucht sich in dem Finden neuer Musikklänge mittels eines Bohrers. Geübt wird im Café Einfall in der Wiener Straße, was nicht unbedingt auf Begeisterung des Besitzers und der Gäste stößt. Um die Initiatorin der Wall City Noise zu überzeugen muss Glitterschnitter einen musikalischen Probelauf im ehemaligen Friseursalon “Intimfrisur” nebenan durchführen. Doch das passt den Besitzern des Ladens nicht, ein Konglomerat aus mehr oder wenigen österreichischen Landsleuten, die zusammen die ArschArt-Galerie führen und selber als Dr. Votz mit lebenden Bildern einen Kunstact auf der Wall City Noise zum Besten geben wollen. Die sehen in der “Intimfriseur” die Chance ihren Wiener Flair aufleben zu lassen und möchten ein Wiener Café eröffnen. Das Ganze spitzt sich zu, als der Künstler und Mitbesetzer H. R. Ledigt die verfeindeten Punks aus dem besetzten Hinterhaus zum Konzert in der Intimfrisur, mit der ArschArt Galerie als Vorband, Glitterschnitter als Hauptakt und H. R. als live Kunstakt, einlädt, um der Initiatorin genügend Publikum bieten zu können.

    Buchlayout / eBook

    Die gut 450 Seiten sind in fünf Abschnitte aufgeteilt, in denen sich kurze Abschnitte aus verschiedenen Perspektiven rasch abwechseln, die optisch nur durch ein einfaches * voneinander abgesetzt werden. Ansonsten bleibt das eBook ohne weitere Ausschmückung und sehr simpel.

    Handlungsaufbau / Spannungsbogen

    Sven Regener hält sich nicht mit einer langen Einführung auf sondern beginnt direkt im Café Einfall und treibt den Leser Schlag auf Schlag weiter. Es laufen mehrere Handlungsstränge, die durch die kurzen Abschnitte parallel aufgebaut werden, deswegen wird es nie langweilig aber richtig was passieren tut eigentlich auch nichts. Am Ende steuern die einzelnen Stränge auf das Finale zu und die Spannung gipfelt in das Aufeinandertreffen aller Protagonisten und in der damit erwarteten Eskalation.

    Szenerie / Setting

    West-Berlin, Kreuzberg, 1980. Die Hausbesetzerszene ist im vollem Gange, die Anarchisten beherrschen das Berliner Stadtbild, Punker gegen Popper, Österreicher gegen Deutscher und Kreuzberg ist der melting pot der Kulturen und sozialen Schichten. Der perfekte Ort für eine skurrile Sozialsatire. Sven Regener lässt geschickt verschiedene Kulturen und Gesellschaften aufeinanderprallen und die Errungenschaften der damaligen Zeit wiederaufleben. IKEA eröffnet 1979 in Berlin-Spandau ihre 7. Filiale in Deutschland und vermittelt mit ihrem neuartigen Möbelkonzept die heile Welt. Der Künstler H. R. ist von der Musterwohnung so begeistert, dass er sie in seinem Zimmer aufbaut. Der Milchkaffee erlebt seinen Einzug in der Berliner Café- und Kneipenkultur. Der Österreicher P. Immel hat ein Haus in Berlin geerbt und versucht verzweifelt mit Kacki, seinem Ottakringer Freund aus Kindertagen, seine wianarischen Wurzeln in Berlin aufrecht zu erhalten. Mir hat der Ausflug in die 80er Jahre und die vielen kleinen Anspielungen gut gefallen.

    Sprache / Schreibstil

    Sven Regener sprudelt die Handlung und Gedanken der Protagonisten in ellenlangen Kommatasätzen aufs Papier ohne ausgeklügelter Struktur oder ausgefeilten Satzbau, gespickt mit plumpen Wortspielen wie “P. Immel”, “Dr. Votz” oder “H. R. Ledigt”, die mir einfach zu offensichtlich waren. Am Anfang hatte ich vor allem meine Probleme mit den nie enden wollenden Sätzen, konnte mich aber darauf einlassen

    Sven Regener “Glitterschnitter” ©2021 Kiepenheuer & Witsch
    Sven Regener “Glitterschnitter” ©2021 Kiepenheuer & Witsch

    Copyright: © 2021 Sven Regener, Kiepenheuer & Witsch Verlag
    Covergestaltung: Rieke Weiger
    » Sven Regener bei Kiepenheuer & Witsch
    » Sven Regener Homepage

    • Sven Regener (Autor), Rieke Weiger (Illustratorin)
    • eBook: 2570 (457 Seiten)
    • Herausgeber: Kiepenheuer & Witsch eBook; 1. Edition (9. September 2021)
    • ASIN: B0947QCVKQ
    • Genre: Gegenwartsliteratur, Solzialsatire
    Zeitreise in eine skurrile Sozialsatire der 80er










    • Cover










    • Buchlayout (eBook)










    • Handlungsaufbau / Spannungsbogen










    • Szenerie / Setting










    • Sprache / Schreibstil

    3.4









    Zusammenfassung

    Der schnelle Perspektivenwechsel lässt einen flott durch die Geschichte treiben, die ellenlangen Sätze hingegen sind erst mal gewöhnungsbedürftig. Auch wenn ich mit der Zeit in den Lesefluss kam und ich auch vor allem an dem deutsch-österreichischen Konflikt Spaß hatte, war die Geschichte für mich nicht unbedingt ein Highlight. Schön war die Zeitreise in die 80er Jahre.

    Nana Shar

    Mit etwas über 40 Jahren auf dieser Welt lebe ich mit meiner Familie und einem Hund in Bayern. Am liebsten lese ich im Moment Romantasy, Jugendbücher, Fantasy, Young Adult und New Adult. Mir gefällt vor allem die Mischung aus Spannung und Romantik.

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    Rezension: Vergissmeinnicht – Was man bei Licht nicht sehen kann (Band 1)

    Rezension: Vergissmeinnicht – Was man bei Licht nicht sehen kann (Band 1)

    Kerstin Gier “Vergissmeinnicht – Was man bei Licht nicht sehen kann (Band 1)” ©2021 S. Fischer Verlage
    Kerstin Gier “Vergissmeinnicht – Was man bei Licht nicht sehen kann (Band 1)” ©2021 S. Fischer Verlage

    Leider etwas zu vorhersehbar und zu unspektakulär und ohne große Überraschung

    Die Edelsteintrilogie und Silbersaga habe ich schon vor Jahren verschlungen, bevor ich Rezensionen geschrieben habe, und waren gefühlt meine ersten Romantasy/Jugend-Fantasy Bücher – außer Harry Potter natürlich. Die Edelsteine fand ich super toll, Silber habe ich geliebt! Deswegen war ich super gespannt auf die neue Reihe von Kerstin Gier, deren erster Band nun Ende September erscheint. Über Netgalley durfte ich nun schon vorab das Buch lesen und bedanke mich dafür sehr beim Team der S. Fischer Verlage.

    Coverbild

    Auf schwarzem Hintergrund sind sehr viele Ornamente, Ranken und Tiere in hellen und kräftigen Farben verteilt. Im oberen Viertel ist unter dem Autorenname ein Skelettschädel gezeichnet, in der Mitte steht in einer verspielten Serife der Buchtitel “Vergiss mein nicht”. Der Untertitel “Was man bei Licht nicht sehen kann” steht in einer geschwungenen Banderole im unteren Viertel. Die Ausführung der Zeichnungen und des gesamten Covers ist sehr filigran und vor allem sehr detailreich. In jeder Ecke entdeckt man neue Strukturen oder die Gestalt eines Tieres., für das sich die Illustratorin Eva Schöffmann-Davidov verantwortlich zeigt. Unglaublich schön!

    Handlung

    Der 17 jährige Quinn hat einen heftigen Unfall, bei dem er gerade noch dem Tod von der Schippe gesprungen ist. Aber seit dem passieren merkwürdige Dinge und er hat plötzlich übernatürliche Fähigkeiten. Er kann überall lebendige Gesichter sehen, hat ein Supergehör oder kann im Dunkeln sehen. Um diesen Rätseln auf den Grund zu gehen, bleibt dem im Rollstuhl sitzenden Quinn nichts anderes übrig, als sich mit der 16 jährigen Matilda, die Tochter der verhassten überchristlichen Nachbarn, zusammen zu tun. Dabei treffen sie auf Professor Cassian, der überraschenderweise mehr über Quinns leiblichen Vater weiß. Natürlich will Quinn dem Geheimnis auf die Spur kommen. Matilda, die gerne Fantasy-Romane liest und Quinn ihre heimliche Liebe ist, ist Feuer und Flamme und kann ihm bei seinen fantastischen Rätseln helfen.

    Buchlayout / eBook

    Die 400 eBook-Seiten wurden in 32 Kapitel aufgeteilt, die abwechselnd aus Quinns und Matildas Perspektive geschrieben sind. Jedes Kapitel wird nur mit dem Namen der Perspektive eingeleitet, die Initiale des Namens wird darüber mit einer kleinen Zeichnung besonders hervorgehoben. Bei Quinn ist es ein Oktopus, bei Matilda ein Vergissmeinnicht Blümchen. Ansonsten bleibt das eBook recht schlicht. Am Ende gibt es noch ein Personenverzeichnis und ein sehr kurzes Nachwort.

    Idee / Plot

    Die Idee, dass das Jenseits eine weitere Dimension der Welt ist und die Fabelwesen von der Erde in diese Dimension verbannt wurden, hat mir gut gefallen, ist aber nicht so ausgefallen, wie ich es von Kerstin Gier erwartet hätte und habe ich in verschiedenen Varianten schon so ähnlich gelesen. Auch, dass der ahnungslose Junge in das Abenteuer geschmissen wird, die neue Welt und seine Fähigkeiten erst entdecken, und dann auch trainieren muss, ist irgendwie nicht mehr neu. Tatsächlich enttäuscht es mich ein wenig, wo doch Kerstin Gier eigentlich immer sehr fantastische und neuartige Ideen hat. Mir gefällt die Idee des Traumkorridors von Silber wesentlich besser!

    Leider erinnerten mich auch einige Details an schon Dagewesenes. Geister, sprechende Figuren, und noch weitere Dinge, die ich wegen Spoiler nicht aufführen kann. Vor allem die ganz vielen neuartigen Fabelwesen kamen in so gehäufter Form vor, dass es mir zu viel war. Mir ist klar, dass man das Rad nicht neu erfinden kann, aber es sind sehr viele Fantasyelemente so gehäuft, was auf mich eher etwas erzwungen wirkt, um irgendwie “fantastisch(er)” zu sein.

    Emotionen / Protagonisten

    Mit den Emotionen und Protagonisten hatte ich meine größten Probleme. Wie von Kerstin Gier gewohnt waren die ersten Aufeinandertreffen recht amüsant. Die Entwicklung der Romanze zwischen den beiden aber konnte ich überhaupt nicht nachvollziehen. Ich konnte zu beiden keine Bindung aufbauen und die sich anbahnenden Gefühle nicht nachempfinden, die ganze Entwicklung wirkte auf mich leider etwas hölzern und konstruiert. Plötzlich war die schräge Matilda von den verkorksten Nachbarn “süß”. Eigentlich sind die Beiden junge Erwachsene, verhielten sich aber leider wie 12-14 Jährige. Natürlich bahnte sich zwischen den beiden ein Konflikt an, der aber von Anfang an so vorhersehbar war, und dann in dem Moment, als er auf den Tisch kam, auch wieder so schnell verpufft war, als wäre nichts gewesen.

    Handlungsaufbau / Spannungsbogen

    Der Anfang war sehr spannend und aufregend und wir erlebten hautnah Quinns Unfall mit. Das hat mir sehr gut gefallen, da Kerstin Gier sich nicht mit einer langen Einleitung aufhielt, sondern uns direkt in das Geschehen schmiss. Danach baute sich die Handlung langsam aber stetig auf – leider blieb es dann auch dabei. Es gab keine wirklichen großen Höhepunkte mehr, sieht man mal vom Showdown mit einem kleinen Plottwist ab, der aber für mich den Spannungsbogen nicht mehr groß herausreißen konnte – leider. 

    Das größte Problem hatte ich, dass mir der Großteil an Handlung durch die Protagonisten nur erzählt wurde, anstatt dass ich es selber miterleben konnte. Das ergibt sich meiner Meinung nach durch die unglücklich ausgeführte Doppelperspektive zwischen Matilda und Quinn.

    Szenerie / Setting

    Die Geschichte spielt in einer deutschen Stadt, wobei nie klar erwähnt wurde, welche – was auch nicht wichtig ist. Kerstin Gier hat aber ein besonderes Talent, die Umgebung und Szenerie bildhaft und präsent darzustellen, ohne überschwänglicher Ausführungen. Ich konnte mir alles super vorstellen.

    Sprache / Schreibstil

    Sprachlich ist Kerstin Gier natürlich einfach toll. Obwohl ich ab der Hälfte den etwas charmant-sarkastischen Humor vermisst habe, den ich von ihr gewohnt bin, schreibt sie flüssig und ohne große Längen. Bei der wechselnden Perspektive habe ich das Gefühl, dass sie sich keinen Gefallen damit getan hat. Einige Szenen musste der Ich-erzählende Protagonist dann im Rückblick erzählen und damit konnte sehr wenig Situationskomik und -spannung aufgebaut werden, für was Kerstin Gier eigentlich bekannten ist.

    Kerstin Gier “Vergissmeinnicht – Was man bei Licht nicht sehen kann (Band 1)” ©2021 S. Fischer Verlage
    Kerstin Gier “Vergissmeinnicht – Was man bei Licht nicht sehen kann (Band 1)” ©2021 S. Fischer Verlage

    Copyright: © 2022 Autor Name Verlag Name
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    Umschlagmotiv: © xxx
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    • xxx (Autor), xxx Illustrator
    • Erscheinungsdatum Erstausgabe: xx.xx.xxxx
    • Edition: xxx KB (xxx Seiten)
    • Verlag: xxx
    • ISBN/ASIN: xxx
    • Genre: Romantasy, Young Adult, New Adult, Romance, Drama-Romance, Liebesroman
    Leider etwas zu vorhersehbar und zu unspektakulär und ohne große Überraschung










    • Cover










    • Buchlayout (eBook)










    • Idee / Plott










    • Handlungsaufbau / Spannungsbogen










    • Emotionen / Protagonisten










    • Szenerie / Setting










    • Sprache / Schreibstil

    3.4









    Zusammenfassung

    Es ist eine schön geschriebene Fantasy-Geschichte für jüngere Leserinnen und Leser, obwohl mir dafür trotzdem zu wenig Spannung vorhanden, die Handlung mir etwas zu vorhersehbar und die Romanze etwas zu konstruiert war. Ich habe das Buch gerne gelesen, die Idee an sich ist toll und Kerstin Gier schreibt einfach toll. Leider konnte mich der Auftakt dieser Reihe aber nicht so überzeugen, wie Silber oder die Edelsteintrilogie.

    Nana Shar

    Mit etwas über 40 Jahren auf dieser Welt lebe ich mit meiner Familie und einem Hund in Bayern. Am liebsten lese ich im Moment Romantasy, Jugendbücher, Fantasy, Young Adult und New Adult. Mir gefällt vor allem die Mischung aus Spannung und Romantik.

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